Candy Bukowski

Autorenblog

Eine Suche nach dem Guten

5 Kommentare

dichterdenkerIch bin noch ein paar Gedanken schuldig.
„Rocking & Writing“ Sabine Wirsching hatte ausgerufen und eingeladen. Einen „Dichter & Denker Award“ für die vermeintlich Guten, die sich vermeintlich mit dem Guten besser auskennen als, ja wer eigentlich? Die Schlechten? Die Anderen? Die nicht Denkenden und Dichtenden? Ich weiß es nicht, aber ich finde doch, es zeigt sich schnell, dass zumindest alles nicht so einfach ist.

Nun war Sabine so lieb oder verwegen, mich für diesen guten Award zu nominieren. Mit der Begründung, dass ich kein Blatt vor den Mund nehmen würde. Herzlichen Dank dafür, liebe Sabine ;) Ich versuche es einfach mal. Keine Ahnung was dabei herauskommen wird. Gefragt wurde:

1. Was ist gut?
Auf den ersten Versuch und wie wir es alle gelernt haben: alles was keinem anderen schadet und guten, menschlichen Werten entspricht. Ich glaube das ist gut. Und es klingt auch richtig gut und einfach.

Aber ist es das? Immer? Automatisch?
Ist es nicht so, dass ich einem Menschen Glück bringen kann und gleichzeitig, notgedrungen, einem anderen damit Schaden zufüge? Ist jeder Schaden auch Unglück, oder wächst aus manchem was schmerzt manchmal auch Veränderung, die sich im Nachhinein als richtig herausstellt?
Kann man akzeptieren, dass die Welt und unser Leben aus Polarität besteht und daran kaum zu rütteln ist? Hell/Dunkel, Oben/Unten, Heiss/Kalt, Alt/Jung, Freude/Schmerz. All das wissen wir und wissen auch um das Licht im Schatten.
Schwieriger wird es, Reich/Arm, Macht/Ohnmacht, Krieg/Frieden, Gerechtigkeit/ Ungerechtigkeit ebenso zu akzeptieren. Mir geht es so, ich tue mir damit verdammt schwer. Aber vielleicht ist „gut“ eben nicht immer einfach und das Richtige nicht immer gut. Und vielleicht gilt es vielmehr, in der existenten Polarität immer wieder möglichst nah an möglichst gut denken und handeln heranzukommen. Davon ausgehend, dass die wenigsten Menschen Quantenphysiker sind, wäre das vielleicht eine gute Option?
Ganz ehrlich: ich weiß es nicht.

2. Etwas, das erst durch Einwanderung, Völkerwanderung, Menschenbewegung in unseren Breiten entstand oder möglich wurde – und auf das du auf keinen Fall verzichten möchtest:
Vielfalt. Im Denken und Tun.
Jede Umgebung die aus mehr als einer Person besteht, wird ein soziales Gefüge. Jede Familie, jede Schulklasse, jede Firma, jede Gruppierung, jedes Viertel, jedes Land. Ist ein soziales Gefüge, im sozialen Gefüge, im sozialen Gefüge. Da ist ganz schon was los, da nimmt ganz automatisch jeder seinen Platz ein, belegt einen Bereich, bringt etwas mit und setzt es ein. Für oder gegen was auch immer.
Der eine ist ein kühler Denker, der andere ein empathischer Leader, einen musst du mitziehen, den anderen stoppen damit er nicht mit seinem Tempo alle fertigmacht, einer traut sich nichts zu, der andere muss gelobt und gesehen werden, damit er sich wohlfühlt und nicht querschießt. Der nächste ist im Querschießen am kreativsten und eine Bereicherung für alle, nervt aber gewaltig. Es kann gar keiner anders, als seinen Platz einzunehmen. Und jeder bringt seine Erfahrungen, Verletzungen, Prägungen, sein Weltbild mit. Reine Psychologie.
Und wenn wir jetzt die daraus entstehende Gruppendynamik eines Familienverbundes, oder auch nur eines banalen VHS Kurses, auf ein ganzes Land hochduplizieren, das sich mit anderen Ländern vermischt, fällt mir als größtes Gut daraus, definitiv VIELFALT ein.
Vielfalt bringt uns zum neu denken, zum weiterdenken, umdenken, zulassen, und erweitert die Möglichkeiten. Das ist toll, das ist groß. Und es stellt all die enthaltenen Persönlichkeiten vor Fragen und eine Menge Reibungspunkte. Das ist anstrengend, wie im kleinsten, sozialen Gefüge. Wenn ich so darüber nachdenke, wäre der Psychologe Jesper Juul vielleicht ein guter politischer Entscheider. Ein perfekter Welt-Schlichter.

3. Was wäre dein Martin-Luther-King’scher Traum?
Jesper Juul, der zusammen mit einem Stab aus wirklich geilen, glaubwürdigen Psychologen, Streetworkern & co, diese Welt in Ordnung bringt, weil sich endlich alle gesehen und wertgeschätzt fühlen. Ok, das ist kein Traum, das ist eine gnadenlos unvorstellbare Vision, aber das war die Erfindung des Telefons zu Beginn des 19.Jahrhunderts ja auch ;)

4. Wie gehst du mit Meinungen (und Meinungsmache) in deinem Umfeld um?
Ich glaube und hoffe, dass mein Kopf klar genug ist, um Meinungsmache frühzeitig zu erkennen und ihr nicht blind und beschränkt hinterherzuhecheln. Meinungen in meinem direkten Umfeld sind mir durchaus wichtig und – auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind – schätze ich es sehr, privat von Menschen mit einem gesunden, reflektierten, teilweise auch eher pragmatischen Weltbild umgeben zu sein. Von deren Background profitiere ich durchaus sehr, gerade weil ich selbst eher ein leicht mal emotional diskutierendes Wesen bin. Was will man auch von jemandem erwarten, der Jesper Juul…

5. Welche Medien, Wege, Möglichkeiten nutzt du, um an möglichst differenzierte Informationen zu kommen?
Viel weniger als man sollte. Phasenweise will ich von dem ganzen Irrsinn sogar gar nicht viel hören, dann mache ich mich doch wieder schlau und bekomme eine tiefe Falte auf der Stirn. Durch die Nutzung der üblichen Online Medien bekomme ich aber logischerweise alles zumindest soweit mit, dass ich entscheiden kann, worüber ich mehr und vor allem fundierteres wissen möchte oder muss.

6. Was macht dir Mut aufs Gute?
I´m a Dreamer. Ich bin überzeugt davon, dass der normale Mensch an sich gut ist. Dass er ständig im Kleinen, in seinen Launen und Abgrenzungen fehlt, aber dass er im Kern weiß was richtig und gut ist. Der normale Mensch von nebenan – in welchem Land dieser Welt auch immer – wünscht sich Frieden, eine lebbare Existenz für seine Familie, ein geschütztes Leben und Freude. Wollen wir mal nie die Freude vergessen. Schlecht wird es immer nur, wenn Angst, Macht und unvorstellbar viel Geld ins Spiel kommen.

Mut aufs Gute machen mir all die normalen Menschen wie du und ich. Die vielleicht keine gewaltig ausgefeilte, politische Meinung haben, aber sehen, fühlen, denken und handeln können, über soziale Bildung und menschliche Kompetenz verfügen.

Und: Mut aufs Gute macht mir auch, dass Visionen wie bspw. das „Bedingungslose Grundeinkommen“ zwischenzeitlich zumindest diskutiert und nicht nur unter Hohn abgetan werden. Bereits die verwegene Grundidee, dass jeder Mensch bedingungslos ersteinmal richtig und wertvoll ist, und unter der Freiheit einer elementaren Grundsicherung seine Angst vor dem Scheitern aufgeben dürfte, ist revolutionär. Der angstfreie Mensch wäre stärker, einfallsreicher, positiver und anpackender als jeder andere. Davon bin ich überzeugt. Die Vision, dass dieses Menschenbild in immer mehr Hirnen stattfinden darf, macht mir Mut aufs Gute.

—–

So und nun sollte ich eigentlich selbst sechs neue Fragen zum Guten im Schlechten stellen und sechs besonders gute Denker nominieren. Mache ich aber nicht. Siehe oben. Ich finde, jeder kann sehen, fühlen, denken und handeln. Wer immer gerne mitmachen möchte, sei herzlich eingeladen, das Feuer weiterzutragen und etwas Gutes zu entzünden.

Liebe Grüße!
Candy

 

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Autor: Candy Bukowski

Autorin beim Verlag edel & electric. Lieferbare Titel: "Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben" (30 Erzählungen) Print 2014 / eBook 2015. "Wir waren keine Helden" (Roman) Print & ebook 2016

5 Kommentare zu “Eine Suche nach dem Guten

  1. „Gute“ Antworten, mehr als gut, richtig, wichtig, differenziert, tief- na eben gut!
    Danke und herzliche Grüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  2. mir gefallen deine antworten, vielen dank dafür!
    und von mir noch ein nachtrag, wieso das ganze „dichter & denker“ heißt: es war ein wenig ironisch… weil oft vergessen wird, dass es außer der nazi-vergangenheit, mit der zur zeit gern von allen seiten jongliert wird, eben auch noch diese anderen gab. die nicht unbedingt immer gedichtet & gedenkt (sic!) haben, aber derer man öfter gedenken könnte. nicht, weil sie immer die guten waren, aber teilweise vielleicht gute ideen hatten & haben – und genau um die die ging es mir.

    PS: püh, wenn man dinge erst klären muss, dann hat man den begriff wohlmöglich doch nicht so 1A gedichtet wie man dachte ;)

    Gefällt 1 Person

  3. „…Bereits die verwegene Grundidee, dass jeder Mensch bedingungslos ersteinmal richtig und wertvoll ist, und unter der Freiheit einer elementaren Grundsicherung seine Angst vor dem Scheitern aufgeben dürfte, ist revolutionär. Der angstfreie Mensch wäre stärker, einfallsreicher, positiver und anpackender als jeder andere.“ …

    Das kann gar nicht oft genug gesagt & geschrieben werden.
    Vielen Dank auch für die anderen Gedanken.
    Viele Grüße aus dem Garten :)

    Gefällt 1 Person

  4. Hat dies auf ©lz. rebloggt und kommentierte:
    Das Gute hat viele Gesichter / wie diese Fragen & Antworten tiefe.

    Gefällt 1 Person

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