Karla wurde gefunden! Dank an eine besondere „Kieler Woche“ der Menschlichkeit…

Vor einigen Tagen verschwand Karla. Eine liebenswerte 14-jährige, fast unbegrenzt offen in ihrer besonderen Persönlichkeit, ein Teenager, dem leider exakt diese große Fähigkeit zu einer ebenso großen Gefahr werden kann. Einer, der wie alle Jugendlichen Freiheit ausprobiert, aber in den letzten Wochen das Maß verlor. Das kommt vor, auch in den guten Familien. Und Karla hat eine gute, herzliche, zugewandte Familie. Ich bin mit ihrer Mutter Claudia befreudet, einfach weil unsere Töchter und das Leben uns vor einem Jahr zusammengewürfelt haben.

Vor einigen Tagen verschwand Karla. Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal nicht kurzzeitig zuhause in Hamburg, sondern aus einem Ferienhaus im hohen Norden, in einer Region die fremd für sie ist und von wo aus niemand wissen konnte, auf welchen Weg sie sich gemacht hatte. Wer selbst Kinder – oder auch nur ein Herz hat – kann sich die völlige Hilflosigkeit und Sorge vorstellen. Gegen die hilft keine Vermisstenanzeige, keine Fahndung über die Polizei, all das wird getan – aber alleine kommt man keinen Schritt weiter, wenn man nicht einmal weiß, wo man sich selbst auf die Suche machen kann. Denn das untätige Abwarten, das ist das schlimmste.

Karlas Eltern gehören nach eigener Aussage medial „zu den Altmodischen“. Zu denen ohne Facebook-Account. Zu denen, für die Whatsapp völlig ausreicht. Zu denen, die mit „sozialen Medien“ weder Erfahrung noch Vertrauen teilen. Nur ihrer Hoffnungslosigkeit war es sicher geschuldet, mich den aktiven Weg über diese ferne Welt versuchen zu lassen.
Denn um Karlas Aufenthaltsort finden zu können, brauchten wir Menschen. Unsagbar viele Menschen aus dem gesamten Norden, über Facebook, Instagram, Snapchat… das ganze, große Gedeck, das man nicht bestellen kann, nur erhoffen und anschieben. Mit ein wenig Ahnung von FB-Algorithmen, wenn die ersten 30/50 persönlichen Kontakte gleichzeitig etwas „teilen“ und damit einen Dominoeffekt anschieben, der mit unheimlich viel Glück auf offene Herzen trifft und sich damit sichtbar UND extrem schnell multipliziert. All das ist tatsächlich Dank all der vielen Menschen im Netz gelungen. Unsere Vermisstensuche wurde sekündlich geklickt und geteilt, innerhalb von 24 Stunden erreichten wir rund 200.000 Menschen im norddeutschen Raum, man kann das berechnen, und jede/r Einzelne davon war ein wichtiger Teil des gesamten Erfolges.

Denn über viele wertvolle Tipps, an uns und direkt über die Polizei, war nach kürzester Zeit klar, dass in Kiel gesucht werden musste. Dort zentrierte sich alles, dort durchkämmten Claudia und Christoph jeden Platz. Tage- und nächtelang jeden Flecken Erde an dem sich Jugendliche aufhalten, dort wurden Flugblätter verteilt und wiederum Menschen angesprochen. Dort machte jeder einzelne Hinweis Mut, dass diese Suche nicht umsonst sein und hoffentlich ein gutes Ende nehmen wird.

Karla wurde nach 5 Tagen gefunden. Glücklicherweise im Großen und Ganzen wohlbehalten, auch wenn diese Zeit Spuren hinterlassen hat und es etwas Geduld brauchen wird, die Dinge wieder völlig ins Lot zu bekommen. Manchmal können es schon Nebenwirkungen eines, an sich harmlosen, Medikaments sein, die uns die Balance verlieren lassen. Das Mädchen ist wieder da, welch großes Glück, nichts anderes zählt!

Wobei… doch. Denn, warum schreibe ich das alles?
Weil es mich zutiefst berührt, was mir Karlas Mutter während dieser schweren Tage berichtete. Und weil ich mir wünsche, dass die vielen Menschen dort draußen, die diese Vermisstensuche begleiteten, davon erfahren können:

Sie und ihr Mann, fühlen sich umarmt von diesen vergangenen Tagen, sagt mir Claudia. Es sei die wohl schwerste, die herausfordernste Erfahrung ihres Lebens gewesen. Aber auch eine unglaublich positive. Die große Anteilnahme unzählbarer vieler wildfremder Menschen, ebenso wie hunderte hilfreiche Nachrichten und Anrufe aus Gruppen, Gemeinden, Vereinen und von Einzelpersonen, die von ihrer Sorge online erfuhren, hätten sie ebenso sprachlos, wie mutig gemacht. Man mag es kaum glauben, aber es meldeten sich sogar Freunde der Familie aus Südafrika.

Und ganz real hätten sie Kiel völlig neu gesehen und erlebt. In jedem Viertel, auch in Ecken, vor denen jeder warnt. Kiel-Gaarden gilt als böses verrufenes Pflaster, die Menschen dort seien längst von der Welt vergessen worden… aber sie hätten sich unter ihnen zu jedem Zeitpunkt sicher gefühlt. DENN die Menschen, denen sie begegneten, haben sie in ihrer Suche offen und herzlich unterstützt. Leute die dort am äußersten Rand der Gesellschaft leben, Obdachlose, Junkies, abgehängte Jugendliche, vermeintlich Zukunftslose aller Nationalitäten, – auch aus all diesen Reihen kamen nicht nur richtige und wichtige Hinweise, sondern aufrechte und echte Unterstützung. Sie seien zutiefst dankbar für all diese glücklichen Erfahrungen mit Menschen, von denen man es nicht erwarten würde. „Du kannst es Dir nicht vorstellen“, sagt mir Claudia, „aber Kiel-Gaarden und dieses Internet, an das ich nicht glauben wollte, haben sich für alle Zeit in mein Herz gebrannt“.

„Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen“… dieser Satz stammt von Johannes Korten, einem leider bereits verstorbenen Freund, der für die gute, die positive und humane Seite des Internets brannte. An ihn und seine Message musste ich in den letzten Tagen oft denken.

Denn jede/r Einzelne, der rund 200.000 Menschen, die in den letzten Tagen die Suche nach Karla unterstützen – alleine schon dadurch, dass sie SICHTBAR wurde – hat das Netz damit zu einem besseren Ort gemacht. Zu einem, an dem gemeinsam unheimlich viel Gutes bewegt werden kann.

Im Namen von Karlas Familie:
Ein herzliches Danke für all diese überwältigende Unterstützung! Und ein besonders großes Dankeschön an die Menschen in Kiel UND Kiel-Gaarden.
Ihr habt Eure Stadt für diese Familie – bei aller Sorge – zu einem guten Ort gemacht!

4 Antworten auf “Karla wurde gefunden! Dank an eine besondere „Kieler Woche“ der Menschlichkeit…”

  1. Dankeschön für die Worte über Gaarden.
    Ich lebe seit fünf Jahren hier und fühle mich wohl. Hilfsbereitschaft und Lebensfreude findet man hier, trotz aller Probleme zuhauf!

    Gefällt 1 Person

  2. DU bist GROSSARTIG meine Liebe 🙂 ! Ohne DICH hätten wir es nicht so gut geschafft, durch diese Tage der Sorge zu kommen und an ALLE Kieler so passende Worte des Dankes zu formulieren ! Du schreibst so wunderbar ins Herz, wir sind sehr gerührt ! DANKE

    C & C

    Gefällt 1 Person

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