Candy Bukowski

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Ein Kommentar

Liebster

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Es ist schändlich. Bereits im November wurde ich durch den, von mir hochgeschätzten Monsieur Manie (…Schreiber vor dem Herrn, ein schmerzhafter Denker und noch viel schlimmerer Fühler, einer dem ich stundenlang mit angestrenger Stirnfalte auf seinen Lesungen lauschen könnte und dessen wortbändigender Wahnsinn mich wie kein anderer mitten in den Solarplexus treten und dennoch befreit durchatmen lassen kann…) für  den Liebster Blog Award nominiert. Und ich habe es nicht einmal mitbekommen, weil ich meine Lieblingslese-Blogs seit geraumer Zeit sträflich vernachlässige, mein eigenes sowieso, irgendwie ist zuviel Leben, zumindest zuviel Alltag. Ach was! Zu viel verschenkte Zeit für irgendwas. Und dann finde ich nun durch Zufall seine Einladung. Schändlich, wie gesagt. Lieber Monsieur Manie, ich bitte vielmals um Entschuldigung, danke herzlich für die Wertschätzung und hole jetzt pronto die Beantwortung der Fragen nach, zu denen Du mich eingeladen hast.

1. Welcher Autor hat dich das letzte Mal berührt? (Im Zweifelfall auch unsittlich).

Ich habe noch mit keinem Autor geschlafen, das sollte vielleicht auf die Bucket List ;)
Als Erzähler aktuell Robert Seethaler „Der Trafikant“, als Erleber Roger Willemsen mit „Gute Tage – Begegungen mit Menschen und Orten“ und rein persönlich Nina George und Mel Raabe die beide meinen Helden-Roman nicht nur gelesen, sondern auch unglaubliche Worte dafür gefunden haben. Ich gebe zu, das hat mich sehr berührt.

2. Was kann uns noch retten?

Keine Ahnung. Twitter? Alkohol? Der Weltfrieden? Ehrlichkeit? Lüge?
Es mag langweilig klingen, aber ich glaube, wir können uns nur gegenseitig retten.
Länder, die sich gegenseitig unterstützen, Politik die menschlich handelt, Presse die sich von Populismus distanziert, Firmen die Umsatz und Ethik gleichgewichten, das Freiheitsbekenntnis von Rosa Luxemburg, Menschen die Menschen mögen, Liebende die sich eine Insel bleiben. Existieren kann jeder für sich alleine, retten müssen wir uns gegenseitig.

3. Was war dein größtes Scheitern?

Puh. Ich scheitere, wie vermutlich die meinsten Menschen, durchgängig bevorzugt an mir selbst. Vielleicht rede ich mir das mit den anderen Menschen aber auch nur ein, um mich bei dem Thema nicht einsam unfähig fühlen zu müssen. Mein größtes Scheitern wurzelt in einer finanziellen Fehlentscheidung vor vielen Jahren und hat seitdem wie ein unbezwingbarer Dominostein alles folgende touchiert, umgerissen oder sich verzweigt. Ein Sorgengesteuerter Mensch ist unfrei und bräuchte jemanden, der ihn aktiv an die Hand nimmt und ein Ziel definiert. Für einen freiheitsliebenden Menschen wie mich, ebenso viel Widerspruch, wie Fiasko.

4. & was dein kleinster Erfolg?

Der, der Träumer und Spinner. Ich bin immer wieder aufgestanden und habe mir fast trotzig eine Menge Leichtigkeit erhalten.

5. Was davon war im Nachhinein wichtiger & warum?

Was ist wichtiger? Leben oder Lachen? Haben oder Sein? Lieben oder Sicherheit? Daran haben sich schon größere Köpfe die Stirnen blutig gestossen. Ich habe akzeptiert, dass wir diejenigen sind, zu denen wir uns durch unsere Entscheidungen und Nichtentscheidungen machen. Was nicht heißt, dass ich nicht gerne wüßte, welcher Mensch ich durch andere, ja auch bessere, Entscheidungen geworden wäre.

6. Was ist dein Lieblingsort (in deiner Stadt oder: in irgendeiner Stadt)?

Venedig!

7. Weswegen?

Weil es der erste Ort auf der Welt für mich ist, an dem Vergänglichkeit und Verfall ihre wunderschöne, starke Seite zeigen. Dort kann ich die beiden Monster nicht nur ertragen, sondern lieben und annehmen. Welcher Platz täte mehr für mich, als dieser?

8. Welcher persönliche Gegenstand liegt dir am Herzen & warum?

Da gibt es natürlich eine Menge intimer Dinge, die nur für mich eine Bedeutung besitzen. Aber ich habe mich kürzlich tatsächlich eimal gefragt: was wäre denn eigentlich, wenn so ein ganz wahnsinniger Worst Case eintreffen würde? Wenn du dein heiliges Smartphone und alle schnelle Kommunikation nach außen aufgeben müsstest? Was, wenn du gezwungen wärst, all das vermeintlich wichtige Zeug auf etwas zu reduzieren, das du bei dir tragen könntest und das die Kraft hat dich hochzuhalten? Anschließend habe ich einen, vor zwei Jahren erhaltenen, handgeschriebenen Liebesbrief in mein Portemonnaie gefaltet und trage ihn seitdem immer bei mir. Ich denke, er liegt mir wohl sehr am Herzen.

9. Aus welchem Film bist du aufgestanden & gegangen?

Ganz ehrlich? Auch wenn es niemand verstehen wird?
Es war vor vielen Jahren ausgerechnet „Herr der Ringe“ Teil 1. Einen Film, der mit 17 Oscars ausgezeichnet wurde, in der Pause zu verlassen, mag verschroben bis dekadent klingen. Ich schiebe es bis heute darauf, dass der Filmvorführer vermutlich total stoned war und den gesamten Kinosaal mit dem Sound dieses Monumentalstreifens bis nach Mittelerde katapultieren wollte. Mich hat die Aussicht auf drei Stunden Gemetzel in dieser Lautstärke tatsächlich ausgeknockt.


10. 1x dein Beerdigungssong, bitte

Nachdem ich nicht weiß, wie meine Seele an diesem Tag drauf sein wird, schwanke ich zwischen dem fast partytauglich-leichten Klassiker „Seasons in the sun“ und Gloria Gaynor „I am what I am“. Ich glaube, das könnte Spaß machen und ein bißchen Lebendigkeit in die unschöne Veranstaltung powern. Und wenn sich ein paar meiner absoluten Lieblingsmenschen später irgendwo eine Flasche Whiskey von der Tanke holen und einen schönen Platz an der Elbe finden mögen, wäre mein Seelchen damit ganz sicher schwer glücklich:

Der Liebster Award kennt Regeln, die sind mir aber, ebenso wie Monsieur Manie, ehrlich & mal ganz unkonventionell gesagt: wurscht, & zwar reichlich. Ich nominiere, wer mir am Herzen liegt. Das wären vor allem: 1. Westendstories, Künstlerin und herznahe Lieblings-Chaosfrau; 2. Mutterseelesonnig, eine der Alleinerziehenden, die unbedingt mehr zu Wort kommen muss;  3. den klugen, sehr geschätzten Achim Spengler, in der Hoffnung, dass er Lust auf diese kleine Bauchnabel-Show hat.

Meine Fragen , zu denen ich Euch gerne einladen möchte:

1) Was liegt auf dem Nachttisch und warum?
2) Wer bist du morgens um 7?
3) und wer um 23 Uhr?
4) Dein Sehnsuchtsort und einer, an dem du nie wieder sein möchtest
5) Was will / muss unbedingt noch erlebt werden?
6) Was kann Kunst (jegliche Form die Du magst) bewegen?
7) Was macht dich sprachlos?
8) und wobei kannst du nicht an dich halten?
9) Wer oder was würde Dich aktuell am besten retten?
10) Dein ultimativer Mut-, Überlebens- oder Freude-Song ist?


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Neue Stöckchenrunde

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Ulrike Schwieren-Höger vom Blog „Bilder und Buchstaben“ hat mir ein neues Stöckchen und den Liebster-Award zugeworfen.
Herzlichen Dank für die Wertschätzung, natürlich beantworte ich gerne Ihre/Deine Fragen und reiche auch weiter.

 

 

Stell dir vor, du bist die Hauptfigur eines Romans. Wer möchtest du sein?
Darf ich auch aus einem Filmskript wählen?
Dann Bonnie. Die, zusammen mit Clyde. Geile Zeit und was für ein Abenteuer :)

Und wer bist du?
Ich bin nicht Bonnie.

Was treibt dich an, die Arbeit auf dich zu nehmen, ein Blog zu gestalten?
Die Freiheit, darauf tun zu können, was mir gefällt, und der sture Wille, dabei immer besser zu werden.

Möchtest du lieber von vielen Lesern gelesen oder von vielen Kritikern gelobt werden?
*lach* Da das richtige Kritikerlob immer ein verflixt guter Steigbügel auf den scheuen Gaul „Buch“ ist, würde ich bei freiem Feenwunschalarm die vielen Kritiker wählen, um noch von viel mehr Lesern gelesen zu werden.

Glaubst du, dass du mit Bildern oder Worten etwas bewirken kannst?
Nein, ich bin besessen, aber nicht überheblich. Die Welt dreht sich mit oder ohne meine Worte.

Was war die beste Resonanz, die du bisher auf dein Blog bekommen hast?
Ich habe das große Glück, viel wundervolle, menschliche, wertschätzende Resonanz zu bekommen.
Die wertvollste, im Sinne von motivierendste, ist aber tatsächlich eine, die sich kritisch, konstruktiv und gerne auch lobend, mit meinen Texten auseinandersetzt. Es gab mal jemanden, der sagte, sie wären für ein Blog „verschenkt“. Das sehe ich anders, aber was er damit ausdrücken wollte, hat mir viel Mut gemacht.

Hast du eine „Schere“ im Kopf, wenn du schreibst, oder formulierst du völlig unbekümmert?
Ja, ich habe eine Schere im Kopf. Aber sie greift erst sehr, sehr weit hinten und schützt in erster Linie andere Menschen. Texte interessieren mich nur, wenn sie berühren können. Dafür müssen sie anrührend, oder schmerzhaft sein. Bei Angst vor Nacktheit und Intimitätsverlust, plätschert man recht schnell an der Oberfläche. Meine Meinung, muss nicht für jeden gelten.

Möchtest du berühmt werden?
Nein, aber das ist mit Schreiben ja auch so gut wie unmöglich.

Gibt es einen Prominenten, den du dir zum Vorbild nehmen würdest? Wenn ja, warum?
Ich war noch nie ein gutes Groupie. Aber ich hätte vielleicht gerne die Konsequenz von Herrndorf, die radikal gute Schreibe von Schrobbsdorf, die Menschenliebe eines Coelho, den Humor eines Kerkeling und das Bankkonto von Rowling ;)

Wo würdest du am liebsten leben?
Mit dem richtigen Menschen am richtigen Platz. Gerne mediterran und mit einem Laptop auf einem kleinen Tischchen im verwilderten Garten. Oder doch New York? Oder mal Venedig für ein Jahr? Ach, am Ende bleibt es doch Hamburg. Ich kenne mich doch.

Wirst du die Fragen beantworten und das Blog-Stöckchen weiter werfen?
Ja, wie geschehen. Ich finde das gehört sich, aus Respekt gegenüber dem netten Zeichen einer Nominierung.
Jeder hat etwas zu sagen, weshalb sich jeder eingeladen fühlen darf, das Stöckchen auch unaufgefordert anzunehmen, ich reiche es heute gerne im Speziellen weiter an:

Sarah Riedeberger
Marga Auwald
Monsieur Manie
Schlechter Sex und Dosenbier
Zolaski
Karfunkelfee
Voces Intimae
Westendstories
Sofasophie
Zurück in Berlin

Wäre schön, wenn Ihr Euch einladen lasst, zu Fragen wie

– Schreiben ist…
– Bloggst Du offen oder anonym und warum so und nicht anders?
– Worüber schreibst Du, was ist Dein Genre? (fiese Frage, ich weiß ;) )
– Begrenzt Du Dich selbst dabei, gibt es eine Schere?
– Das Beste und das Blödeste am bloggen ist…
– Was ist Dein liebster, eigener Text und warum?
– Das große Thema meines Lebens lautet…
– Ich bin eine coole Socke, weil…
– Ich bin arschlangweilig, wenn es darum geht…
– Der Wert der Dinge bemisst sich für mich ….

Herzlichen Dank und Grüße!
Candy Bukowski