Candy Bukowski

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Vom ersehnten Zauber der Tristesse

Die Helden sind in den letzten Monaten ganz schön herumgekommen! Das ist toll für mich, herzlichen Dank an alle, die das Buch so sehr mögen, dass sie es mitgeschleppt und an so viele wundervolle Orte in fast der ganzen Welt gebracht haben. Höchste Zeit, all diese Fotos nicht nur auf Facebook tagesaktuell hochzuladen, sondern ihnen hier eine kleine „hall of fame“ einzurichten.

Das nächste Bild kommt dann vermutlich in Kürze aus Venedig
Diesmal werde ich – wie nach Amsterdam – die Helden selbst mitnehmen und sie zusammen mit dem Liebsten in eine Gondel packen. Ich freue mich seit Monaten unheimlich auf diese Reise. Mehr als ich es sagen kann. Mein Herz, meine Seele, mein Kopf brauchen Venedig im Februar. Eine fremde andere Welt, all die bisher nur gedanklich gefahrenen Wasserstraßen, den Zauber italienischer Geschichte, alte Palazzos mit Mauern zum Anfassen, die schmerzhaft schöne Romantik vergänglicher Augenblicke, die Lust am Essen und Lieben, am Glück geschenkter Tage und Nächte.

Ich muss mich auftanken gehen, in einer Stadt, der auch die Tristesse eines kühlen Februars den Charme nicht rauben kann. Und ganz ohne Frage, werden all die Gesichter dieser Stadt, auch meine Schreibsperre innerhalb des neuen Buchprojekts auflösen. Ich habe mich die letzten Monate so sehr selbst damit gegängelt, nach vermeintlich vorgegebenen Regeln besser zu schreiben (…“Stringenter erzählen, Candy! Klassisch verlegtes Romangenre hat seine klaren Regeln, du musst sie endlich erfüllen“..), daß kaum eine mühsam gefeilte Seite noch vor mir selbst bestehen konnte.

Fuck of! Schluss mit dem Verbiegen!
Die Bukowski wird dieses Jahr Fünfzig. Lassen wir sie ihren ureigenen Stil schreiben.
And so what? Wenn sie damit nicht ausreichend in Programmschubladen passen sollte, was noch zu beweisen wäre, dann verlegt sie sich eben wieder selbst. Nichts wäre schlimmer, als künftig passend stromlinienförmig, aber an Worten leider ausgeblutet zu sein. Schluß mit dem Zauber!

In Kürze also Venedig. Ich weiß, ich werde es lieben.
Und keine Kompromisse mehr. Niemals mehr, als unbedingt nötig.
Euch allen eine gute Zeit, da draußen.
Ahoi!

 

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Vom Knutschen & Fummeln auf Kinosesseln

Damals, zu der Zeit, in der man erstmals auf der Suche nach dunklen Ecken war, nach irgendeinem Platz, an dem das Licht ausgeht und alles möglich wird, da war ich mit meinem ersten, richtigen Fastfreund im Kino.
Heimlich. Wie denn sonst? Das hätte ich im Leben zu Hause nicht erzählt, das fiel unter unheimlich großes, taschengeldgehortetes Geheimnis. Da fuhr ich mit meiner Freundin in die Stadt und war verabredet. Vor dem Tivoli. Mit zwei schlacksigen Coolnessanwärtern, mit denen wir alles möglich machen wollten. Alles!

Also Knutschen, ohne in die Peinlichkeit zu kommen, sich dabei anschauen zu müssen, und die Luft anhalten, wenn sich eine verwegene Hand möglicherweise unter den Pulli schiebt. Mission impossible!
Ich habe keine Ahnung mehr, welcher Film lief. Es war nicht mehr “Bernhard & Bianca” und noch weit entfernt von “Muttertag”, irgendwas dazwischen, mit FSK12-Freigabe für Milchgesichter.

Was ich aber genau weiß, ist, dass sich meine Freundin und ihr Auserwählter, bereits kurz nach der Werbung gegenseitig auffraßen, während sich der meine den Film ansah. Den Arm um meine Schulter gelegt, aber ansonsten völlig fixiert auf die Leinwand, von der ich tatächlich 90 Minuten lang nichts mitbekam, außer den 1000 Fragezeichen in meinem Kopf. Zu jung, zu dick, zu blöd, zu blass? Wie Mäuschen, immer tiefer in den roten Plüschsitz rutschend, im flauschigen Angorapulli, unter dem ich doch so gerne die Luft angehalten hätte.

Und kaum ging das Licht wieder an, beugte sich der jugendliche Held über mich, drückte mir einen festen Kuss ohne Zunge auf die Lippen und erzählte begeistert von den besten Szenen seines Films, der meiner nicht gewesen war.

Dass ich weder zu dick noch zu blöd war, hat sich in den kommenden Jahren dann glücklicherweise noch bewiesen. Andere Helden, andere Filme. Oh ja, es wurde geknutscht und gefummelt, und das war groß und wunderbar. Ganz nah am Himmel und so unheimlich atemlos und verwegen.
Später haben wir intellektuell im Programmkino analysiert, dann das Theater bevorzugt, schließlich wurden es die DVD´s auf dem allzu gemütlichen Sofa und noch viel später saß ich wieder bei “Bernhard & Bianca” und hatte eine aufgeregte, Popcorn-verklebte, kleine Hand in der meinen.

Und dann war es wieder an der Zeit. Um rauszugehen und eine dunkle Ecke zu suchen, in der alles möglich wird. Mir das Leben anzusehen. Es wieder zurückzuholen, wo immer es sich auch versteckt hatte, in der Zwischenzeit, in der ich so stiefmütterlich mit ihm umgegangen war.
Erst in die Spätvorstellungen um Mitternacht. Alleine. Selbst ist die Frau. Hauptsache hinaus vor die Tür. Und dann wieder eine davon öffnen und Menschen reinlassen, den ein oder anderen frischen Helden.

Heute ist das alles leicht, wenn das Licht ausgeht und der Eisverkäufer durch ist. Der Arm über die Schulter kommt unverkrampft und selbstverständlich. So wie eine Hand in die andere, Finger zwischen einander geschoben, manchmal sanft hochgenommen und geküsst.
Es wird wieder lang und intensiv geknutscht und lachend aus Übermut gefummelt. Ohne die Luft anzuhalten, und doch ein klein wenig atemlos. Weil es immer noch schön ist, wenn das Licht ausgeht und alles möglich wird.

Nocheinmal ein klein wenig 14 sein, die Freiheit in den Nischen suchen und Loge buchen. Und darin für einen Augenblick vergessen, dass ich bereits alles darf und alles kann und kenne.

Wobei… andere Helden, andere Filme.
Und vielleicht, nach langer Zeit, mal wieder einen flauschigen Angorapulli.

Candy Bukowski