Candy Bukowski

Autorenblog

Made my day

24 Kommentare

„Was die Kurzgeschichte so interessant macht, ist, dass jeder Baustein im Text wichtig für die gesamte Architektur ist. Es steht nichts beliebig da. Man muss sehr präzise sein und wissen, welches Element man wie einsetzt – mehr noch als bei einem Roman. Eine Kurzgeschichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbeiten muss, damit sie kurz wird.“

Antje Rávic Strubel, Schriftstellerin

Nachdem mir gestern ein Lektorat eine meiner Kurzgeschichten so haarsträubend schlecht zusammenstrich, das sie zwar auf 3000 Zeichen passte, aber nichts mehr davon übrig blieb, weshalb ich meine Zustimmung zur Veröffentlichung zurückzog: Wasser auf meine Mühlen! :)
Nein. es steht nichts beliebig da.

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Autor: Candy Bukowski

Autorin beim Verlag edel & electric. Lieferbare Titel: "Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben" (30 Erzählungen) Print 2014 / eBook 2015. "Wir waren keine Helden" (Roman) Print & ebook 2016

24 Kommentare zu “Made my day

  1. Kann ich bestätigen – nachdem ich zu Weihnachten mit Deinem Buch überrascht wurde und mitten in der Lektüre bin. Weiter so!

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    • Ich danke Dir sehr. Ein großes Kompliment aus Deinem Mund. Ich halte mein Texte schon für verbesserungswürdig und ein gutes Lektorat kann viel leisten, aber gestern war ich einfach platt, wie aus einem emotionalen, hart gezielten Text, ein völlig beliebiger, blutleerer Abriss wurde. Tatsächlich totgekürzt.
      Um nicht ungewollt in die Beratungsresistent-Falle zu treten, habe ich die Mail erstmal an eine andere Verlagsmenschin geschickt, die wohlwollend aber sachlich kritisch mit mir ist. Sie liegt immer noch auf dem Boden und lacht. Und ich beschloss, mich nicht zu prostituieren um den Text unterzubringen.

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      • Das ist immer so eine dünne Linie, auf der man balanciert, wenn es um die eigenen Texte (bei mir ja keine belletristischen, sonde eben hauptberuflich „nur“ journalistische) geht – die Kunst, konstruktive Kritik annehmen zu können und den Text damit ein Stück auch loszulassen, ist ebenso wichtig wie die Fähigkeit zu erkennen, wann jemand einen Text kastriert. Gut, dass Du da konsequent geblieben bist!

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  2. Die Karfunkelfee! Mit einem ganz herrlichen Text zum Thema. Fast nur für mich. Über Zypern, das nach erzwungener Kürzung dann ganz nah bei Bochum im Sommer liegt :) Danke! <3
    https://karfunkelfee.wordpress.com/2015/01/14/zypern-ein-mustertext/

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  3. Ein Lektorat ist wie ein Psychologe: ein guter ist schwer zu finden.

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  4. das thema „1.000 tode“ haben sie bei der bearbeitung sauber durchgezogen, möchte man meinen. und ALLE in nur 3.000 zeichen! meisterleistung.

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  5. Gutes Verdichten und Kürzen ist in der Tat eine große Herausforderung. Wenn ich bei einem abzugebenen Artikel 3000 Zeichen schreiben soll und der Entwurf bereits 5000 Zeichen hat, gilt es weise einzuköcheln. Das finde ich als Autorin und als Lektorin verdammt herausfordernd.
    Ich habe beides schon erlebt: Dass ich meine eigenen Artikel verstümmelt habe und zu viel wesentlisches weggekürzt habe (= zurück zum Anfang) und dass ich durchs Verdichten die Essenz noch besser herausstreichen konnte.
    Ich glaube, dass das manchmal andere bei den eigenen Texten fast besser tun sollten als man selbst. Aber eben: es braucht dazu viel Feingefühl.
    Irgendwie hätte ich echt Lust deinen Originaltext zu überarbeiten (den du im Artikel erwähnst) und zu schauen, was bei mir dabei rauskäme. Wenn ich Zeit hätte. Aber Lust hätte ich total … As u like. :-)

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    • Nochmals ich: Das klingt jetzt nach Widerspruch:
      „Ich glaube, dass das manchmal andere bei den eigenen Texten fast besser tun sollten als man selbst. Aber eben: es braucht dazu viel Feingefühl.“ versus „Dort war es aber die Vorgabe. Also nicht die Aufgabe der Lektorin, sondern der AutorInnen selbst. Das finde ich eh besser.“

      Was ich meine: Wenn es jemand so sensibel wie man selbst tut, ist es besser, es kürzt jemand anders, weil wir dann auch sehen können, ob der Text in seiner Komplexität verstanden worden ist (zumindest von diesem Menschen). Wenn nicht, ist es aber viel besser, wir kürzen selbst und die Lektorin betrachtet den Text auf andere Unstimmigkeiten. Die Länge eines Textes finde ich eigentlich nur bei Printmedien oder/und Anthologien relevant für Kurzgeschichten.

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  6. Ein Lektor ist kein Gott, er oder sie ists nur ein Lektor und macht seine bzw. ihre Arbeit. Es ist eine subjektive Arbeit, die versucht, sich an objektive Richtlinien zu halten und erinnert mich an das Lehrerdasein oder nein, eher wie ein Arzt, dem man sofort vertraut und gar nicht daran denkt, dass seine Todesnachricht besser noch einmal überprüft werden sollte.
    Tatsache ist aber, dass deinen Text viele hundert Leute lesen könnten. Manche davon würden sich an der Version erfreuen, die du zurückbekommen hast. Andere wäre jene Version wohl zu leblos. Wie kann ein Mensch das entscheiden? Es ist eben sein Job. Und so müssen wir damit auch umgehen lernen. Die Kritik sehen, es noch einmal bei einer anderen Person versuchen und weitermachen…

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  7. Hmmm… das Strubel-Zitat würde umgekehrt bedeuten, in einem Roman ist nicht jeder Baustein im Text wichtig und teilweise beliebig. Das würde ich nicht unterschreiben. Aber wir wollen ja nicht kleinkariert sein …;-))) Ich würde ja sehr gerne mal deinen Text vor und nach dem Lektorat sehen. Hast du deine Bedenken gegenüber Lektor/Lektorin geäußert?

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    • Na, nicht alles was FÜR etwas spricht, richtet sich deshalb GEGEN etwas anderes, oder? :)
      Ja, klar habe ich meine Gründe – freundlich aber konkret – benannt. Und sie wurden sehr gut verstanden. Ich schicke dir gerne die Mail. Vielleicht hast du ja ein ganz anderes Empfinden. Es ging und geht mir nicht im Geringsten um Verweigerung. Es gibt eine Menge zu lernen.

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      • Natürlich. Da kann ich dir zweifelsohne folgen – das Strubel-Zitat allerdings hebt ja die erforderte Präzision und die Relevanz von Bauteilen bei einer Kurzgeschichte über die eines Romans – begründet aus einem quantitativen Unterschied der beiden Formen. Und das kann ich so nicht nachvollziehen.

        Das Schöne bei einem Lektorat ist doch aber (trotz deines Ärgers), dass du nur das annehmen musst, was dir wirklich zusagt. Sicher konntest du irgendetwas herausfiltern, was dir sinnvoll erschien. Und den Rest vergisst du einfach. Klingt simpel – ich weiß – aber ganz umsonst war es doch sicher nicht. Ich glaube, das Synchronisieren mit der/dem Lektor/Lektorin kann manchmal wirklich nervenaufreibend sein. Ich hätte da eine schöne Geschichte …;-)))

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  8. Hemingway konnte eine Geschichte in einem einzigen Satz erzählen. Die Frage ist, was viele unter „Erzählen“ verstehen. Erzählen bedeutet nicht, jedes Detail zu benennen. Nicht den Leser zu bevormunden und ihn mit Adjektiven an die Hand nehmen. Ich bin mündig und entscheide selbst, wie ich einen Text für mich einnehme, welche Perspektive ich dazu haben möchte, welche Emotion. Ein Problem vieler Autoren ist einfach, dass sie sich selbst gerne im Text verorten. Man hört nie die Figuren sprechen, immer nur den Autoren. Das ist grausam. Show, don’t tell. Sollte man immer bekräftigen, meiner Meinung nach. Ich bin absoluter Verfechter des Minimalismus. Raymond Carver, Richard Yates, Andre Dubus – kein Wort zuviel. Man sollte dem Leser schon auch etwas zutrauen.

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  9. Spannender Kommentar, danke. Das Leserverhalten zum Text bringst du für mich darin perfekt auf den Punkt. Und Deine Vorliebe zum Minimalismus kann ich gut nachvollziehen. Du beherrschst ihn großartig, ich würde gerne ebenso schreiben können.
    Hemingways Vorbild der genialen 6 Wort-Geschichte mit den ungenutzten Kinderschuhen steht zu Recht für hohe Schreibkunst. Aber es wäre ja vielleicht auch verwegen zu glauben, da ranreichen zu können oder zu müssen. Es gibt so viele Arten zu erzählen, oder wenn dir das blasphemisch erscheint, sich auszudrücken. Jede die gelesen wird, hat wohl auch ihre Berechtigung. Ich gehöre sicher zu denen, die sich selbst immer irgendwie im Text verorten. Fürchte ich. Akzeptiere ich :)
    Davon ab aber glaube ich, dass jeder Autor, der Große wie der Kleine, immer über sich schreibt. So wie jeder Leser immer sich selbst liest.

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    • Es spricht nichts dagegen, autobiografisch zu erzählen. Oder auch auto-fiktiv, also eine Mischung aus Fiktion und Autobiografie. Schlussendlich kulminiert das Ganze ja in der Frage nach dem Stil. Lieber Hemingway oder Thomas Mann? Man sollte sich als Autor fragen, was dem eigenen Text entspricht. Ich glaube daran, dass eine gute Geschichte immer besser wird, wenn der Leser Identifikationspotential addieren kann oder sogar muss. Wenn da natürlich im ersten Absatz hundert Adjektive stehen, dann ist da nicht mehr viel übrig. Man sollte als Autor versuchen, uneitel zu schreiben. Stil darf nicht in leerem Manierismus verfallen. Oder sollte. Ist nur meine Meinung! :)

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  10. LektorInnen sind eine Spezies für sich, bloss nicht beirren lassen! Aber manchmal haben sie auch gute Tipps …

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  11. Make my day! – Den Spruch habe ich länger nicht mehr gehört …
    Was den Erfolg beim Schreiben angeht: Man muss manchmal einfach in die Zitrone beißen und gute Miene zum Bösen Spiel machen. Schön ist es allerdings auf sowas nicht mehr angewiesen zu sein – also es irgendeinen Lektor recht machen zu müssen :)

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