Candy Bukowski

Autorenblog

Wie das so ist…

6 Kommentare

… wenn die Zweierdinge am Bett fallen, wie erschossene Soldaten,
Fotografien in Schwarzweiß, mit dem Kopf nach unten vergraben.
Dann wenn der Frieden verloren ist und den Krieg keiner gewinnen würde.
Wenn Blutspuren quer durchs Land führen
und die Toten davon sprechen, dass kein Schuldiger zu finden ist.
Nur die Sehnsucht nach der Zeit. Und weiter Weg, bei aller Liebe.

Dann, wenn die Bücher verbannt werden,
mit ihren handschriftlichen Zeilen,
alles in Kisten verpackt, wie Zukunftsdiebe aus dem Haus gejagt,
Reisekarten und -führer , ein Hauch an Savoir-vivre,
AmLebenbleibKalendarium, gefixter Stern am Firmament
Beleg und Quittung für überschäumend große Pläne mit dem Glück.

Wie das so ist,
wenn jeder greifbare Tutnichtgut verräumt und beerdigt,
jede Nachricht entfernt, Stimme gelöscht und Hoffnung begraben wurde.
Ein großer Umweg um all die vielen Plätze führt, an denen Einer Keiner ist,
und weg von den Geschichten, die frischen Schorf aus tiefen Wunden kratzen.
Dort, wo kein Stück mehr, unverrückt an alter Stelle steht,
kein Haar auf dem Kissen, kein Atemzug an meinem Hals.

Wie das so ist,
wenn alles durchgewischt und weggetan,
wenn endlich alles schweigt, was mich erinnern könnte,
Türen, Fenster, Herzen fest verschlossen und die Augen kneif ich zu.

Wenn rein gar nichts mehr da ist, außer mir allein.
Und dann,  tief in meiner leersten Halle, – Du.

Candy Bukowski

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Autor: Candy Bukowski

Autorin beim Verlag edel & electric. Lieferbare Titel: "Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben" (30 Erzählungen) Print 2014 / eBook 2015. "Wir waren keine Helden" (Roman) Print & ebook 2016

6 Kommentare zu “Wie das so ist…

  1. wie das so ist
    wenn candy Bukowski
    packende und fesselnde zeilen schreibt
    für die ich dankbar sie lesen zu dürfen
    wenn auch etwas trauer mitschwingt

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  2. Da kommen mir ….bilder vor Augen und vielfältige Gedanken…
    Warme Auffangnetze würde ich gern senden!

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  3. Und dann betrachtet man das Du mit leergeweinten Augenhöhlen und eine Frage ermächtigt sich des verräumten Kopfes: Und jetzt? Du, was willst Du?

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  4. Doch was spricht das Du zu dem Ich? Was ist das Wort, das erst leise, kaum wahrnehmbar, dann immer mehr anschwellend, aufbrausend, immer stärker und stärker bis hin zum ohrenbetäubenden Dröhnen durch die weite Leere hallt? Was ist dieses eine Wort, das alle Mauern sprengt, das alles auslöscht bis da nichts mehr ist, als die reine Existenz, schwebend, fallend im stetig weiter klingenden Hall, was ist das Wort?

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