Candy Bukowski

Autorenblog

1000 Peitschenhiebe

7 Kommentare

In Saudi-Arabien wurde der Blogger Raif Badawi zu 10 Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt, weil er mit der Veröffentlichung liberaler Ansichten über den Diskurs Politik / Religion den Islam beleidigt haben soll. Das ist eine gerichtliche Entscheidung, eines der reichsten Länder der Erde: 1000 Peitschenhiebe.

Diese Meldung sauste uns gestern bei Facebook mal eben schnell per Spiegel Online am Gewissen vorbei.

Ebenso wie vor einer Woche, als die USA einem zum Tode Verurteilten, einen unerprobten Giftcocktail spritzten, woran der Mann eine halbe Stunde lang jämmerlich verreckte, bis ihn ein Herzinfarkt erlöste. Ein grausam vollstrecktes Urteil der Todesstrafe. Im mächtigsten, „zivilisierten“ Land der Welt.

Husch, kurz an uns vorbeigelaufen. Alle mal kurz gezuckt. Eine Woche her, schon fast wieder vergessen.

Seit 7 Jahren sitzt, nach Notwehr gegenüber ihrem Vergewaltiger, die 26-jährige Reyhaneh Jabbari in Teheran in Haft. Ihre Hinrichtung wurde vor wenigen Tagen aufgrund des Einsatzes von Menschenrechtsinitiativen auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Das Evin Gefängnis in Teheran ist laut Medienberichten bekannt für seine dort angewendete psychische, körperliche und auch sexuelle Folter.

Stimmt, da war doch was. Puh! Schon erschreckend, nicht wahr?

Nicht, dass es irgendwem, irgendetwas nützen würde.
Und nicht, dass ich selbst eine Ausnahme zur Erschütterbarkeit irgendjemanden anderes bilden würde. Nicht ein Stück.

Aber weil mir danach ist, gab es gerade 2 geschenkte Minuten Aufmerksamkeit für einen klitzekleinen Teil des absoluten Wahnsinns an Unrecht, kranker Moral und verabscheuungswürdiger Rechtssprechung der vergangenen Woche dort draußen. Weil es zB. ein Privileg ist, bloggen zu können, was immer mir gefällt, ohne an Leib und Leben Schaden zu nehmen.

Candy Bukowski

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Autor: Candy Bukowski

Autorin beim Verlag edel & electric. Lieferbare Titel: "Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben" (30 Erzählungen) Print 2014 / eBook 2015. "Wir waren keine Helden" (Roman) Print & ebook 2016

7 Kommentare zu “1000 Peitschenhiebe

  1. Ich sehe dies ebenso. Und vieles beruht einfach auf dieser dreckigen widerlichen Doppelmoral.
    Danke für deine Worte.

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  2. danke mal wieder fürs wachrütteln

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  3. Nie dürfen wir dieses Privileg vergessen. Danke fürs Anmahnen. Weil das wichtig ist. Unser Glück der richtigen Geburt. So selbstverständlich.

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  4. Dein Text berührt. Leider allzu oft wahr. Deshalb bin ich froh, über Worte wie deine, die unsere Aufmerksamkeit immer wieder darauf stoßen und uns innehalten lassen, was auch immer daraus erfolgen mag…

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  5. Dein Tag “ Es ist zum Kotzen“ trifft es.

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  6. Bei mir gehen solcher Meldungen nicht schwupps! verloren, sie gehen mir lange im Kopf herum, kommen in den Träumen vor, und ich muss mir genaueres Vorstellen verbitten, denn sonst würde ich krank, regelrecht verrückt. An manchen Tagen gibt es die mir selbst verordnete Nachrichtensperre.
    In Deinem Blog wird Klartext gesprochen, das schätze ich sehr!

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  7. Und täglich aktuell wie immer. Erschreckend. Lies mal hier. Hab irgendwo ein Buch von ihm. Konnte es nie zu ende lesen, weil mich allein der Gedanke immer so fertig macht. Hergott. Wie gern ich doch die Welt in rosarot hätte. Und wie erschreckend ist es, festzustellen, das sie es so häufig nicht ist. Ob das eine Art „Erwachsenwerden“ ist? Das Abnehmen der Brille??

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