Amore gegen King of Chickencurry

Es gibt Dinge, die dürfen nicht passieren.
Einiges andere, – ok, kommt vor, ist nicht schön, wäre anders wirklich netter gewesen, aber nun gut, was will man machen, –  da kann man darüber stehen. Damit arrangiert man sich, deutlich eingeknickt in den Knien, ein dickes Brett vor dem Kopf, oder einen stabilen Eisengurt ums Herz gezurrt.

Irgendetwas in der Art und irgendwann ändert es sich eben wieder. Hat sich ja noch immer alles wieder verändert, mach dir keinen Kopf, mein Schatz, das geht vorbei und kommt schon wieder, irgendwann. Anders vielleicht, ganz sicher sogar, und wenn du ehrlich bist, dann geht es ja genau darum, bei dieser Übung.

Dass Sinn und Verstand dahinter steckt, und nicht nur dummes Herz.
Das hilft dir gerade mal so weit, wie einem Blinden über die Strasse, aber sehen kann er kein Stück besser, nur weil er auf der anderen Seite steht und der dröhnende Verkehr nun von rechts statt links kommt. Ohne Plan ist er dann gerade mal ein Stück weiter freundlich abgestellt, aber so ist es eben, das Herz, so ein spassiges Kerlchen, ohne Sinn und Verstand, aber immer für einen Trip über die nächste Kreuzung gut. Bei Grün und freundlichem Brummen der Blindenleitanlage, dass jetzt, genau jetzt der begrenzende Randstein übertreten werden kann, ohne sich die Knochen zu brechen.

Zumindest, wenn keiner noch eben schnell bei Rot und HastDunichtgesehen, durch deine Schneise donnert, aber das ist eben das Restrisiko, man kann ja nicht alle Eventualitäten beachten, ohne wie ein zitterndes Kaninchen erschrocken zu verharren und im Leben nicht mehr weiter zu kommen, runter von irgendeiner Verkehrsinsel zwischen hier und dort, während die Herzampel brummt und alle Lichter auf Grün stehen, 21, 22, die paar Sekunden bis zum nächsten Stop and Go. All das gehört dazu. Ohne Frage, das nimmt man, wie es eben kommt und irgendwas kommt ja immer, da machen wir uns mal nichts vor.

Und dann gibt es Dinge, die dürfen nicht passieren.
Dass Ciao Amore dicht gemacht hat, beispielsweise. Das geht gar nicht, das ist so verdammt bitter, wie die schlimmste Medizin nur sein kann.

12 Wochen war ich irgendwo in den Zwischenwelten, und nichts rein gar nichts hat sich im Außen verändert. Alles lief so bestechend durchschaubar und durchgemustert weiter, wie es nur sein konnte. Keinen Millimeter hat sich irgendetwas auch nur ansatzweise in sich selbst gedreht, dass es fast schon ein großer Spass war, dem ganzen stupiden Stillstand zuzusehen.

Dann bin ich nur eine weitere Woche weg, zurück im echten Leben, und die Dinge fallen wie die Dominosteine klackernd in die Vergänglichkeit.
Mein Lieblingsitaliener auf meinem Lieblingsplatz hat sich aus dem Staub gemacht.
Für einen „King of India“ das Feld geräumt.
Mit einer Leuchtreklame, so billig, wie eine Neueröffnungsinszenierung nur sein kann.

Ohne Rücksicht auf meinen Lieblingsplatz, mit wirklich guten Erinnerungen an wirklich gute Tage und Nächte.
Ausradiert. Weg eleminiert.
Aus, vorbei, kein „Ciao Amore“ mehr für mich.
Kein verständiger Blick, kein Wissen ums Lieblingsgetränk, je nachdem, wer es ausgibt, kein Zuhause auf der Plaza, kein bester Start zum Lachen, Lieben, launig Kennenlernen.

King of India…
Was soll denn bitte an einem Ort wie diesem, seinen Anfang nehmen, oder einen schönen Weg?
Wie soll man sich dort, einander strahlend schön entgegen flirten?

King of India. Resopalbanal zu Chickencurry.
Ach, Ciao Amore, du wirst mir fehlen.

Candy Bukowski

12 Antworten auf “Amore gegen King of Chickencurry”

  1. und immer mehr habe ich ja den Eindruck
    das überleben der guten Dinge ( subjektiv ) wird immer schwerer.
    Weil viele mit dem schlechtesten vom schlechten schon bestens bedient sind.

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  2. Liebe Candy, was Du hier beklagst, habe ich vor anderen anzutun. Anderen und mir selbst. Ich bleibe wortwahlvage, doch muß ich hier einen Gedanken hinterlegen: Da hat sich jemand ein Stück seines Lebens aus der Brust gerissen. Nicht aus dem Staub gemacht, wie Dir es erscheint. Forsche doch nach, wo ist Dein Ciao-Amore-Rocco. Vielleicht wollte er nur sein großes Herz noch ein Weilchen für die Familie schonen. Er würde sich bestimmt freuen, Dich zu sehen. Falls die Gründe schlimmere sind, kommt Dein Dank bei den anderen genau richtig…
    Ich weiß, daß Du spürst, was ich meine und grüße augenschimmernd zugetan. Augenschimmernd, weil ich so auf gute Schließungsgründe hoffe für Rocco und die Seinen.
    Deine Käthe.

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    1. Liebe Käthe, natürlich weiß ich gut, was Du meinst und vor allem wird doch als Verlust beklagt, was vorher reich für einen war. Ich bin mir sicher, dass auch dein notwendiger Schritt, wie Du selbst schreibst, anderen und Dir etwas antun wird. Das ist das schrecklich traurige an Veränderungen dieser Art. Letztendlich nur für egoistische Zaungäste, wie ich einer bin. Der Macher, der Veränderer, muss seine richtige Entscheidung treffen und dann wünscht man ihm ganz viel Glück dabei.
      Um meinen sehr gemochten Ciao Amore muss Dir Dein Herz nicht schmerzen. Er hat noch ein anderes Ristorante und wird dort, mit etwas weniger Stress und mehr verdienter Freizeit, sicher weiterwerkeln. Ich werde ihm dort natürlich mal auflauern :) Aber fehlen wird er mir dennoch, sehr.
      Herzlichst! Und jeder neue Weg hat seine guten Seiten, Candy

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  3. Das ist dies Gefühl, dass ich Dinge & Menschen treffe, diese eine Weile – mal näher, mal weiter entfernt – mit mir gehen um sich dann aus den unterschiedlichsten Gründen wieder aus meiner kleinen, beschränkten Welt verabschieden. Und je älter ich werde, desto mehr schmerzt mich das. Und desto mehr rechne ich damit.

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    1. Mich auch. Ich frage mich nur, was das Ergebnis ist. Bleibt es sicherer, wenn ich damit rechne? Oder nehme ich mir damit viel?
      Und wenn ich nicht damit rechne, bleiben die Beziehungen dann anhaltender? Oder schütze ich sie dann zu wenig, weil ich zu sehr vertraue?
      Ist die Liebe etwas Leichtes oder etwas Ernstes? Sollte man sie bewahren oder frei fliegen lassen?
      Schadet ihr der Gedanke, oder macht sie der Gedanke reif und erwachsen?

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      1. Warscheinlich greift hier das, was man auch als „des Teufels Alternative“ bezeichnet. Tue ich das Eine, schliesse ich das Andere damit aus. Und: unsere Erfahrung spricht auf Grund unendlich vieler Riefen an Herz und Seele dafür, DASS es schiefgehen wird, egal, was wir machen. Geht es deshalb schief?

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      2. Ich habe gelernt, dass das Unterbewusstsein keine Verneinung kennt. Wir könnten das „schief“ durch „geht nicht gut“ ersetzen und mit diesem winzigen Trick womöglich durchschlagende Überraschungen erzielen ;)

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  4. Einen Lieblingsitaliener zu verlieren geht gar nicht. Wir hatten eine in Frankfurt, de hat am Ende nur noch den halben Monat offen. Entsprechend haben sich die Leute gestapelt. Wartezeiten waren ein Witz im negativen Sinn und jedes Mal haben wir uns geschworen, dass wir nie wieder hingehen und dann kam das Essen und sofortige Amnesie trat ein

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