Think about: Werte

Werte also.
Vor einiger Zeit habe ich im Zuge einer psychologischen Ausbildung, ein sinnvolles Modul aus der Paartherapie vermittelt bekommen. Wie die meisten sinnvollen Arbeitsmodule, recht einfach und nachvollziehbar gestrickt:

jeder schreibt auf 10 Kärtchen, spontan seine 10 wichtigsten Werte.
Es ist ganz gut, das spontan zu tun, sich zu verkopfen macht es nicht wertiger, nur geschönter.
Die ersten 10 sind schon ziemlich genau diejenigen, die einem wirklich wichtig sind.
Anschließend legt jeder seine Karten nach Relevanz.
Auch das ist einfach, es wird im Abgleich Karte für Karte höher oder niedriger entschieden.
Am Schluß liegt die persönliche Top 10 unmaskiert vor einem, und gibt ebenso treffend wie ungeschönt Einblick darüber, ob die Werte eines Paares aus der selben Welt stammen, oder eben nicht. Eben nicht, erschwert Zusammenleben ungemein, oder macht es fast unmöglich. Oftmals bildlicher Ausdruck, des bereits gefühlten miteinander Scheiterns.

Wie man das in Ausbildungen so macht, probiert man alles am besten direkt selbst aus.
In diesem Fall einfach jeder für sich.
Notieren Sie Ihre 10 wichtigsten Werte und ordnen Sie diese nach persönlicher Relevanz.
Schauen und staunen Sie anschließend.

*Wer das Staunspiel mitspielen möchte, tut das am besten genau jetzt und liest erst später weiter, ansonsten hat man nichts davon. Ja, ich meine das durchaus ernst. Jetzt oder später, aber erst weiterlesen, wenn die eigenen 10 Werte notiert sind.
Nötigenfalls aufs Frühstücks-Set oder die Kelloggs-Packung, meinetwegen auch Siri als Notiz ins iPhon gesprochen. Wie auch immer, aber festhalten. Jetzt! Nicht vorher luschern, das verfälscht das Ergebnis. Isch schwör!
So, genug gewarnt, 1-2-3 Chance vorbei und weiter im Text
*

 

Ja, ich habe gestaunt.
Darüber, dass meine spontanen Gedanken eine Menge ehrenwerter Eigenschaften aufzeigten.
Loyalität, Toleranz, Verbindlichkeit in Beziehungen, Souveränität, Empathie, Wahrhaftigkeit und noch so einige andere, aus einem hübschen Fundus an Ansprüchen mir selbst und anderen gegenüber, die allerdings alle verdammt viel mit Freiheit und Unabhängigkeit, und vergleichbar wenig mit Bindung und Sicherheit zu tun hatten.

Ehrlich gesagt, war ich sogar überrascht darüber, wie viele andere Kursteilnehmer, Werte wie „geordnete Finanzen / Familie / Sicherheit / eigenes Haus / lebenslange Liebe / glückliches Alter / beruflicher Erfolg / Wohlstand und Reisen“ auf ihren Kärtchen geschrieben hatten.

Ich wäre schlicht nicht darauf gekommen, all das an dieser Stelle zu notieren.
Ich hätte es als einfordernd empfunden, als überheblich vielleicht sogar. Warum eigentlich?
Aber, all das entsprach und enspricht anscheinend nicht der Top 10 meiner wichtigsten Werte, obwohl ich jederzeit bereit bin zu behaupten, dass mehr Sicherheit und eine wirklich dauerhafte Bindung, ein lang ersehntes Topping meines immer etwas bunt durchgeschüttelten Lebens darstellen würden.

Tja. Würden. Ersehnt. Topping. Wunsch.
Lauter rührseelige, nette Ansätze der Hoffnung, aber weit entfernt vom existenten Sein.
Wie auch, wenn die Existenz von Sicherheit und Beständigkeit, in meinen wichtigsten Werten gar nicht vorkommt?

Ich war erstaunt, ich war aufgerüttelt, ich habs kapiert und das Problem erkannt.
Aber wirklich geändert habe ich nichts. Nothing. Nada.

Das ist auch gar nicht so einfach, weil Werte etwas Verinnerlichtes sind. Etwas, das aus Gründen so und nicht anders gewachsen ist. Vielleicht weil ich so bin, oder die Dinge wie ich sie sehe, zumindest meine eigene Realität, die ist so. Und ist somit nicht einfach mal so locker umzuordnen.

Vielleicht wäre das auch gar nicht notwendig.
Denn da stehen ja äußerst ehrenwerte Werte auf meinen Karten und in meinem Herzen herum.
Dann allerdings wäre es hilfreich bis notwendig, meine Wünsche den Werten anzupassen und stringent zu sein. Konsequent mich und meine Werte zu nehmen wie sie sind, und bewusst ein  freies, unsicheres Leben zu führen.

Blöd nur, dass das jetzt auch nicht so wirklich prickelnd für mich klingt.

Anderer Rahmen, ähnliches Thema:
„ein wirklich befriedigendes Leben führt nur, wer in seinen Lebensumständen und Handlungen ausreichend auf seine persönliche Ziel- und Werteorientierung achtet.“

Philosophischer Exkurs, den vermutlich alle begreifen und locker abnicken.
Ich dagegen fühle ich mich oftmals wie ein naives Kind, das die grundlegendsten Lebensregeln noch nicht verstanden hat, aber beseelt vom Wunsch ist, bis zur Rente einen entscheidenden Schritt weiter gekommen zu sein.

Aktuell komme ich nur zu dem Schluss, dass Mensch sich manche Werte zugestehen lernen muss.
Sollte.
Darf.

Und erst, wenn sich diejenigen aus Wunsch und Realiät gleichermaßen erlaubt und möglich anfühlen, machen sie Sinn im Lostopf, aus dem dann auch wirklich die Top 10 gezogen werden kann. Alles andere ist doch eigentlich nur ein Teil vom Teil und bei weitem nicht die ganze Wahrheit. Zumindest mir erscheint das schlüssig, was immer auch ein anderer davon halten mag.

Ich habe also prima Werte, die gegen eine Frischzellenkur nichts einzuwenden hätten.
Wie ausgerechnet aus dem konservativen Spektrum, Frischzellen generiert werden könnten, erschließt sich mir jetzt noch nicht so wirklich, aber ich bleibe dran und setze „Werte durchschütteln und auf persönlichen Wahrheitsgehalt prüfen“ neu auf Wert Nr.1.

Und den Begriff „Konservativität“ am besten gleich weit oben auf die Projektliste.
So gruselig, wie der in meinen Ohren nachhallt, klingt da vieles nach Schattenboxen.
Typisch. Kaum macht man eine Dose auf, fällt einem eine neue entgegen.
Aber in irgendeiner wird sich die Schokolade schon versteckt haben.

Candy Bukowski

45 Antworten auf “Think about: Werte”

  1. Was soll ich sagen? Ich bin überhaupt nur bis acht gekommen … und keine „hardware“ darunter wie „Haus & Hof“ und so. Nähe, Abstand, Vertrauen, ok. Und noch so´n paar Utopien. So einfach und so fern. Passt irgendwie zu deinem letzten Thema, vielleicht kocht sich ja auch das zusehens ein bei zunehmendem Alter. Nur: das machts beziehungstechnisch nicht kompatibler …

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    1. Du bist nur bis 8 gekommen und das ohne Hardware? :) Spannend, oder?
      Ich bin ja nicht so der große Fan davon, zunehmendes Alter als logischen Ausdruck für Beschränkungen zu wählen. Das kommt schon früh genug mit seiner Hammerfaust, das will ich nicht noch als Grund herbeireden, sondern trotzig gegenhalten. Sagt ja auch viel aus.
      Tja, „Kompatibilität. Beziehungstechnisch“. Auch solch schön formulierte Software.

      Ein Satz aus naher Lernvergangenheit, der mir gerade außerordentlich gut gefällt, lautet: „Fake it, till you make it“. Weniger im Sinne fehlender Authentizität, sondern bezogen auf konkreten Wandlungswillen in ausgesuchten Teilbereichen, die einem wichtig erscheinen.
      Aber was weiß denn ich? :)

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      1. Wer sagt, das weniger Beschränkung sei? Möglicherweise manifestiert sich ja hier auch gerade eine neue Genügsamkeit … *sichselbstindietaschelüg* :-) und den Spruch nehm ich jetzt als geschenkt, der gefällt mir … :-)

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      2. Aber ja, nimm reichlich, das ist ein ganz großartiger Verschenk-Satz, so ist der auch zu mir gekommen :)
        Bei der entzückenden, kleinen „Lügentasche“ kann ich auch mithalten.Dummerweise hat die ein Loch und manchmal fällt unten eine raus.

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  2. So direktiv! Da klickte ich zunächst weg. Du musst zuerst, weil sonst… klang nach Kettenbrief/mail.

    Freiheit in den Entscheidungen müsste wohl auf meinem Zettelchen stehen, tut es nicht. Dafür anderes. Zehn war sehr leicht. Erst mal in Fahrt gekommen, ging’s ruckzuck.
    Ist Haus und Hof ein Wert? Nun ja, zur allgemeinen Bewertung von Menschen und Lebensumständen dient es wohl des Öfteren.
    Ziele und so Zeugs mag ich nicht so gerne. Lieber bleibe ich lebendig an dem, was das Leben bietet. Wertvoller und bereichernder könnte nichts sein, was ich mir auszudenken vermag. Da nützt dann finanzielle Sicherheit auch nichts. Oder schon?
    Ein bisschen werde ich nervös. Da steht so wenig Sicherheitstechnisches auf dem Zettel. Aber… Aber!
    Wenn das andere da ist, dann winke ich mal frech die nächste Herausforderung heran. Wenn zum Beispiel Mut, Nähe, Schutz von Schwächeren und Höflichkeit im Miteinander da sind, dann kann ich fliegen, schwimmen, tauchen, toben, rennen, kämpfen, schlafen, weinen, lachen, wachsen, zusammenbrechen, neu beginnen, umdrehen – Undenkbares!

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    1. Prima, das ist doch anscheinend ein spannender, persönlicher Boden, auf dem Du da stehst. Glückwunsch! Fliegen und Zusammenbrechen, Undenkbares tun :)
      Doch, auch wenn man sich wundert, Haus und Hof ist ein völlig legitimer Wert, der gesunde Zielorientierung der Lebensplanung trifft, wenn man ihn denn hat. Mit Bewertung hat der tatsächlich nichts zu tun. Weder im Wunsch, noch in der Ablehnung.

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      1. Natürlich! Völlig legitim. Ich bringe das nur von der Definition her nicht so leicht mit „Wert“ in Verbindung, habe da offenbar so meine Schablonen. Und gesellschaftliche Erwartungen in Bezug auf Lebensentwürfe schwingen mit – hat vermutlich damit zu tun, dass ich in einem gewissen Alter bin… ;)

        Thinking about Werte… ja. Da wurde nun einiges angestoßen.

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  3. hey, liebe candy, wie du mir hier einmal mehr aus den tiefsten tiefen unc untiefen meiner seele sprichst.
    auch meine liste hat nur werte ähnlich deinen. auf „dinge“ wäre ich nicht gekommen, sie sind es letzlich nicht, die „glücklich“ machen …
    danke!
    (das werde ich mal an meinem Liebsten testen, bin gespannt) :-)

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    1. Danke, liebe Sofasophia, das freut mich sehr und da sind wir wohl wirklich nah beieinander. Ich frage mich nur tatsächlich, ob wir da nicht ein paar ebenso handfesten wie überflüssigen Glaubenssätzen aufsitzen. Denn warum eigentlich, sollten ein paar „Dinge“, zusammen mit anderen wertvollen Werten, denn eigentlich nicht glücklich machen? Weil man sie als „schlechte“ Werte verinnerlicht hat? Grundlegend? Und warum eigentlich nun dieses wieder?
      Ich finde es tatsächlich spannend, mir dabei selbst auf die Schliche zu kommen :)
      Liebe Grüße!

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  4. Meine Werte sind deinen sehr ähnlich. Obwohl Sicherheit auch eine große Rolle spielt, aber das nur auf eher emotionale Sicherheit bezogen. Etwas, dass sich nicht greifen lässt. Je älter ich werde, umso weniger spielen materielle Dinge eine Rolle. Ich denke, dass Menschen (und somit auch ihre Wertvorstellungen und Wünsche) wirklich nichts weiter sind, als die Summe ihrer Erlebnisse.

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  5. Edit: und wie Guinness44 schon schrieb, ich sehe das auch nicht als Zeichen von Freiheitsdrang. Eher fast das Gegenteil davon. Wie ich oben schrieb … Sicherheit.

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    1. Ah, danke für den Stuppser. Ich vermute, dass ich meine genannten Werte unter dem Überbegriff Freiheit statt Sicherheit verbuche, da als Erfahrung ein gewaltiges „Ich kann mich nur auf mich selbst verlassen, bzw. bin die einzige Beständigkeit in meinem Leben“ herumgeistert. Was in logischer Konsequenz „emotionale Sicherheit“ direkt ausknockt.
      Ich sach ja, alles was wir denken, fühlen, meinen… reine Interpretation :)

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      1. Eben drum, weil emotionale Sicherheit eher etwas Utopisches hat, hat es – bei mir zumindest – einen solchen Wert? Darum auch nicht oder nur schwer greifbar. Als Wunsch ist es dennoch präsent. Wobei Wertigkeiten und Wünsche eben manchmal kaum zu unterscheiden sind :-/

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      2. Irgendwie schon.
        Wenn dir selbst Loyalität wichtig ist, wünscht du dir das dann nicht auch für dich? Wenn du ehrlich bist, möchtest … wünscht … du dann nicht, dass man auch ehrlich zu dir ist?
        Menschen versuchen sich zu spiegeln, man möchte das erhalten, was man zu geben bereit ist.
        Aber das gilt nur für emotionale Belange. Wobei mir dann Wünsche nach materiellen Dinge eher suspekt sind. Findet man Seelenfrieden, wenn man Haus, Hof und Segelyacht sein Eigen nennt? Was nutzt es einem, wenn man im Alter finanziell abgesichert ist, aber alleine dasitzt?

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      3. Absolut. Treffer. All das wünsche ich mir, auch an mich entgegengebracht. Vermutlich sogar eine echte Erwartungshaltung, auch wenn „Erwartung“ keinen besonders hohen, zwischenmenschlichen Sozialstatus hat. Wer ist frei davon? Und warum sollte man es sein?
        Beim zweiten Absatz musste ich schmunzeln.
        Wer hat uns eigentlich beigebracht, dass grundlegend Wohlstand einsam und Schönheit einen schlechten Charakter macht?

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      4. Darum geht es nicht. Aber wenn man Menschen fragt, was ihnen wichtig ist, und sie eben antworten, dass Haus, Auto, Segelyacht, what ever das ist, was sie brauchen, um sich gut zu fühlen, wo bleiben dann die Belange, die fürs Seelenheil wichtig sind? Alles eine Frage der Prioritäten, oder?
        Es geht nicht darum, dass Geld den Charakter verdirbt. Das glaube ich auch nicht. Aber warum steht das bei einigen Menschen als so etwas Wichtiges im Kurs, wogegen lieben und geliebt werden irgendwie nicht wichtig genug scheint, um es zu erwähnen?
        Wer Geld hat, wird sich eher genau das wünschen, emotionale Sicherheit. Wer keines hat, dem ist materielle Sicherheit oft wichtiger, als das Seelenheil.
        Das ist, was ich suspekt finde. Stünde ich davor, mich zwischen finanzieller und emotionaler Sicherheit entscheiden zu müssen, würde ich immer Letztere wählen.
        Wobei ich dann auch wieder dabei bin, zu behaupten, dass es der Werdegang der Menschen ist, der ihre Werte festlegt. Wer niemals vor den emotionalen Trümmern seines Lebens gestanden hat, weiß dieser Mensch, um wieviel wichtiger emotionale Sicherheit ist? Kann ich mir schwer vorstellen …

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      5. 10 Werte, 10 Wünsche. Ein breites Fundament.
        Eigentlich Platz für ein ausgewogenes Viel, ohne die eine Waagschale als suspekt zu empfinden.
        Verstehe mich nicht falsch, ich finde das alles richtig und nachvollziehbar, was Du sagst und freue mich sehr darüber, dass wir uns ein wenig die Bälle zuspielen.
        Ich _für mich_ frage mich nur wirklich und wahrhaftig, warum es mir (und anscheinend auch einigen anderen) so schwer fällt, beide Waagschalen gut zu heißen und zu füllen. Warum wir (ich?) glaube(n), uns entscheiden zu müssen, um ein guter Mensch mit den richtigen Werten zu sein.

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      6. Gute Frage … Sehr gute. Da werde ich mal drüber nachdenken. Denn dahinter steckt eine weitere Wertigkeit. Obgleich mein Nichtverstehen nicht auf zu wenig Toleranz fußt, sondern auf der Kluft zwischen beiden. Oder ist das schön Intoleranz, wenn man für sich selbst andere Werte wichtig findet, aber nicht versteht, warum manchen Menschen Materielles eben nicht minder wichtig ist?
        Ich verurteile es keineswegs. Vielleicht ist das auch so etwas, wie Neid? Kein „leichteres“ Leben gehabt zu haben, dass mir nicht in mal in den Sinn kommt, mir Wohlstand zu wünschen? Wobei ich wieder bei meiner These bin, dass der Werdegang des Menschen seine Bedürfnisse (dazu gehören auch Wertigkeiten) beeinflusst. Interessantes Thema, das zum Nachdenken anregt. Danke für diesen Eintrag.

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      7. Ja, ich glaube auch, das ist durchaus ein Treffer und auch bereits wieder eine neue Wertigkeit. Danke Dir herzlich fürs Mitherumschieben!

        Intoleranz? Neid? Vielleicht im besten, neutraleren Fall, einfach Abgrenzung. Abgrenzung von Schmerzpotential und Aufrechterhalten völlig verständlichen Einstehens für eigene, richtige, notwendige Lebensentscheidungen. Die Kraft gekostet haben, die aufgrund ihrer Massivität einen außerordentlich hohen Wert für einen darstellen?
        Darin würde ich mich zB. gut wiederfinden.

        Ja, der Werdegang beeinflusst unsere Bedürfnisse und somit Wertigkeiten. Absolut dabei. Deshalb lassen sie sich auch nicht so einfach umdenken und verändern. Das wäre ja, als würde man einen Teil seiner selbst austauschen.

        Aber wäre es wirklich ein Austauschen des Selbst, oder ein reflektierter Reifeprozess, berechtigte Muster anzukratzen und sie – soweit stimmig und möglich – wie ein Kleidungsstück, aus dem man herausgewachsen ist, abzulegen?

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  6. Natürlich zu Stift und Zettel gegriffen, liegen ja immer bei. Und die gleiche Hucherkenntnis: Dinglichkeiten hätte ich nie als Werte angesehen, obgleich sie ja einen Wert verkörpern. Interessant. Paßt gerade in alle Überlegungen hinein. Was ist mir wichtig? Wie komme ich darin voran?
    Herzliche Grüße, Deine Käthe.

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    1. In aller aufrichtigen Wertschätzung: darauf hätte ich gewettet, liebe Käthe :) Huchen wir also gemeinsam und wer weiß, womöglich finden wir neue Anlegestellen, an emotionalen Stegen, die durch einen Anteil Sicherheit nicht unehrenhaft, aber durchaus wettertüchtiger werden könnten.
      Herzlichst! Candy

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      1. Das ist eines meiner Hauptprobleme, den schnöden Mammon betrefflich: Die eigene Wettertüchtigkeit. Ich sehe immer noch einen anderen Kutter, der dringender ’nen neuen Anstrich braucht. Doofdas, doch wie ändern? Und will ich das überhaupt? Ich kann sehen, was das Geld mit den Menschen macht und finde das ziemlich gruselig. Nicht immer, aber doch sehr oft.
        Liebe Candy, das wird hier noch ’ne Therapieseite, stell doch mal eine Couch auf, mal sehen, was passiert…

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      2. Oh Hilfe, eine Therapieseite! Wie schrecklich, aber die aufgeschlossene Herumdenk-abwäg-malmanchesaufdenKopfstell-Seite gefällt mir gerade unheimlich gut :)

        Ich gehe auch wirklich nur ständig in die Opposition, um mich selbst mit herauszufordern.
        Deshalb: ich sehe auch, was „kein (oder zu wenig) Geld“ mit Menschen macht und auch das gruselt gewaltig. Vielleicht, weil Existenzängste große emotionale Ressourcen angreifen?
        Wäre – um bei deinem Bild zu bleiben – eine größere Wettertüchtigkeit nicht auch die Möglichkeit, mit leichterem aber ebenso hilfreichem Herzen, anderen Kuttern einen neuen Anstrich zu verpassen?

        Und wo liegt eigentlich der Wert im Wert „Instabilität“, der ja den logischen Gegenpart zu „Stabilität“ (bspw. auch in finanziellen Dingen) darstellt?

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      3. Ja, natürlich, die andere Seite der Monetenwippe. Die, die viel zu wenig haben. Es ist da wohl genau wie bei allen Extremen, sie sind so, wie sie heißen. Eine gesunde Mitte, teilen, geben und nehmen, mein inneres Heileweltgänschen träumt gerne davon. Allein, es wird ein Traum bleiben. Gut, wenn man ihn wenigstens im eigenen kleinen Lebensliebenskreis ausleben kann. Da sind ja etliche Kutter leckgeschlagen.

        Der Wert der Instabilität ist vielleicht darin zu sehen, daß sie Trägheit fernhält. Trägheit des Kopfes und des Herzens. Wer wachen Auges ob der Wackeligkeit des Seiles auf dem er tanzt, bleibt, erspäht die die Gefahren zuerst. Sicherer wäre die feste Steinbrücke, doch der Abgrund drunter, der bleibt ja doch der Gleiche.

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      4. Das ist spannend, ich hätte wirklich keinen Wert der Instabilität gefunden, ich sehe darin immer nur zu guter letzt brechen und wanken, aber deinem Beispiel, dass womöglich erhöhte Aufmerksamkeit die positive Seite sein könnte, kann ich mich nicht entziehen. Solange sie nicht furchtgetrieben ist, ich fürchte ;) – die Grenzen sind fließend.

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  7. Ja. Das ist es. In Abgrenzung finde ich mich auch wieder.
    Umdenken … Umdenken ginge sicher ein Stückweit. Aber umfühlen? Wertigkeiten enstehen doch nicht im Kopf. Dann wäre vieles ablegbar, wie ein Kleidungsstück.Ich habe in meinem Leben unzählige Male umgedacht, aber umgefühlt …? Nicht, was mein Sein als Mensch angeht. Sind aber viele Wertigkeiten nicht mehr auf Gefühlsebene zu finden? Ist das Streben nach Wohlstand, mehr als nur ein finanziell sicheres Leben haben zu wollen? Steckt dahinter am Ende nicht die Angst vor Armut? Angst – wie die vor emotionaler Unsicherheit – ist eine starke Triebfeder. Angst vor Armut, ist nichts Anderes. Aber … ist es Armut, wenn man genug zum Leben hat, jedoch keine großen Sprünge machen kann? Sicher ist und darf es kein Ziel sein, sich vom Staat durchfüttern zu lassen. Darum geht es auch nicht. Aber am Ende verhungert bei uns niemand. Wie aber ist das mit nicht materiellen Werten? Wohlstand kann man sich im Zweifel erarbeiten. Ein Haus erspart man sich, oder tilgt Kredite. Kann man aber Loyalität kaufen, oder Ehrlichkeit? Ach, wäre das schön. Vielleicht sind gerade diese Dinge so wichtig, weil man sie nicht erkaufen kann? Weil sie einem geschenkt werden müssen … freiwillig gegeben werden müssen.

    Ich finde Käthes Kuttermetapher großartig. Auch darin sehe ich mich wieder.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Instabilität irgendeinen Wert haben kann. Das ist etwas, das man allumfassend betrachten kann. Instabilität bringt Unruhe, egal ob auf materieller/finanzieller, oder auf emotionaler Ebene. In Unruhe erkenne ich keinen Wert.
    Spannend ist es hier gerade :-)

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    1. Ich stimme Dir zu, anders zu fühlen ist nicht möglich. Aber durch „umdenken und umverhalten“ lässt sich der Umgang mit und die Auswirkungen von unseren Gefühlen deutlich beeinflussen. Hätte ich nie geglaubt, aber ist wirklich möglich, man lernt nicht aus.

      Richtig spitze ist Dein Vergleich ob der Wunsch nach Wohlstand wohl Angst vor Armut wäre. Ja klar, schwarz – weiß, positiv – negativ, hell – dunkel. Jeder einzelne Wunsch, jeder einzene Wert besitzt im Umkehrschluß „Angst“ oder „Abwehr“ vor dem Gegenteil.

      Vielleicht ist ja deshalb die Mitte so schwerig zu erreichen oder gar zu halten, weil die Polarität ihren Ausgleich in Gegensätzlichkeit sucht / verlangt? Hui, jetzt wirds langsam glatt, es wird doch nicht wie so oft, beim großen Sinn des Ganzen enden ;)

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    2. Einen Aspekt der Wertigkeit der Instabilität habe ich vorhin beleuchtet, oder besser bebalanciert, liebe Jane (Ich darf Sie doch so nennen, ja?). Und mir gefällt selbst das entdeckte Bild des Abgrundes, der immer der gleiche bleibt, ob man nun auf zerranschter Hängebrücke oder Betonpfeilerbrücke hinüberflaniert. Die schwankende Wackelbrücke oder gar das schwingende Seil, sie halten unsere Sinne wach. Nichts ist schlimmer als Trägheit, denn die macht uns faul und schlapp.

      Wenn ich sehe und höre, wie Menschen vorm Supermarkt mit hochvoll gestapelten Einkaufsdreck beisammen stehen und über das Frühstücksbuffet des zuletzt besuchten Allinklusivknastes irgendwo in der Türkei oder sonstwo klagen, frage ich mich saueraufstoßend, was diese Menschen als wertvoll erachten. Das kann nicht Empathie, Achtsamkeit oder Sinnlichkeit sein, die mir zum Beispiel hochwert sind. Da zählt der neueste SUV oder die fettesten Kois im Gartenteiche. So will ich nicht sein. Und das ist meine Selbstbestimmung. Ich muß nicht hungern, nicht frieren und muß nicht Angst haben, in den Tod gebombt zu werden. Verdammte Hacke, allein das macht mich doch schon reich. Warum strebt der Mensch nach materiellen Dingen? Statussymbole, nichts weiter. Grotesk wird’s dann bei dem Wunsche nach billigen Statussymbolen. Wer kauft sie denn, diese ganzen Plagiate? Lieschen Müller, die sich auch mal wie Frau Vonundzuprotz fühlen will. Ach, was für ein Thema, ich könnte Bottiche vollkübeln. Besinne mich lieber auf einen ganz anderen Wert: Ich schätze Dich hochwert, liebe Candy. Auch und gerade wegen solcher Gedankenantüdeley.
      Herzfingerkuppenvolle Grüße, Deine Käthe.

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      1. Sogesehen haben Sie Recht, liebe Käthe (und ja sicher dürfen Sie!).
        Selbst Liebe ist instabil, und man muss fortwährend auf sie achtgeben. Was Liebe an sich nicht minder wertvoll macht. Ein schönes Beispiel, das zu weiterem Nachdenken anregt. Danke dafür. Wichtig sind die Dinge, die dem Einzelnen wichtig erscheinen, ob ich das nun nachvollziehen kann, oder nicht. Ich muss nicht alles verstehen, und ich muss nicht jeden Menschen mögen … Ihn jedoch in seinem Sein respektieren. Das mag ich tun. Ich bin jedoch beim zweiten Abschnitt nicht weniger bei Ihnen deshalb. Im Gegenteil. Mir scheint Im Leben Ähnliches wichtig zu sein, wie Ihnen. Da kübel ich die Bottiche mit Ihnen zusammen voll.

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      2. Ich habe es wie Frau Knobloch gemacht:
        Stift und Zettelchen.
        Dann machte ich mit mir selbst Nabelwerteschau und kiekste fürchterlich dabei. Es kitzelt.
        Drei Werte hab ich mit Frau Knobloch gleich: Einfühlungsvermögen, Achtsamkeit und die Sinnlichkeit. Die drei rangeln immer noch um den ersten Platz, auf dem das Vertrauen thront und überhaupt nicht daran denkt, den freiwillig zu räumen und eine Liaison mit dem zweiten Platz, der Gesundheit eingegangen ist. Dann kommen noch im Gefolge die Sicherheit, genug zum Auskommen zu haben und die Freiheit hat sich so dick aufgeblasen wie ein Fesselballon, die Verlässlichkeit schaut angeknickert von einem der hinteren Plätze zu, während die Geduld mit der Gelassenheit händchenhaltend Liebesschwüre tauscht. Null Ehrgeiz bei den Beiden auf einen der vorderen Plätze zu gelangen? Der Humor ist der kleinste von allen, aber weil er ein pfiffiges Kerlchen ist, schalkt er sich in den Möglichsten und unmöglichsten Situationen bis auf den ersten Platz und hat für das Vertrauen nur ein schiefes Grinsen übrig.
        Hm…
        …..hm…
        Die Fee kommt ins Eiern, schließlich ins straucheln und dann habe ich wieder diesen besch…Selbstfindungssong von Gitte Haenning im Ohr:
        Ich will alles, ich will alles und zwar sofort!
        Danke, Candy. Ich finde dieses Experiment gelungen und spannend und…
        Du hast toll geschrieben, knackig und ich glaube, wenn man liebt, jemanden, dann kann es geschehen, dass alle diese Werte bewegliche Konstanten sind.
        Ich freu mich, dass ich sie habe und Leben, er-Leben will.
        Dass sie veränderlich sind in ihrem Wunschcharakter, sich nicht um jeden Preis treu bleiben müssen und mir und anderen die Menschlichkeit lassen, so zu sein, wie man eben ist.
        Vielen Dank und auch für die Klasse Kommentare, ich hab viel Kluges lesen dürfen.
        Herzliche Grüße
        von der Karfunkelfee

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      3. Was für ein herrlicher Einblick auf Dein Zettelchen und Deine immer und immer wieder interessante und reflektierte Sicht der Dinge. Wortmalerisch, amüsant, und die Gitte bekomme ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf :) Sehr genossen, danke!
        Liebe Grüße, Candy

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      4. Liebe Candy, wie ich’s schon in meinem Text, den ich wie Frau Knobloch so schön sagen würde: hinausgekübelt habe:
        Es beflügelt das eigene Nachdenken, es ist warmer Trost in den Reflektionen, der klugen anderen Lebenserfahrungen zu lesen und Dein Text ist so geschrieben, das man geradeaus rufen möchte: Ha, wie ich dieses kenne, erkenne und doch staune und liebe Frau Knobloch, die Krähe sprach nur Krähisch, leider, doch wundert es mich kein bisschen, dass wir so ähnliche Werte haben. Erstens sind wir geprägt vom Teutonensinn, weil wir henseits der römischen Zivilisationsgrenze wohnen und daher extrem freiheitsliebend und außerdem skeptisch bei latinernden Sandalenträgern, wenn sie uns ein Wasserklo bauen wollen. Subtile Infiltration, wehe die Aquädukte!
        Außerdem haben wir anscheinend beide laut Hier, zu mir! gebrüllt, als das Gefühl verteilt wurde und obendrein denken wir gern herum mit dem Teutonenkopf.
        Wir genießen gern, schöpfen das Maß bis zur Neige aus und der Teuto, der schon so lange steht, macht uns im Herzen ernst, weil er eine so dunkle Silhouette sein kann.
        Meine Werte, dieser lustige Haufen, erkannte und erarbeitete sich mit vielen Menschen über viele Jahre.
        Und immer lern ich dazu in der Wiederholung so mancher herber Lektion….

        Danke, ich verlinkdings Euch dann mal…

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      5. Ich reiche Ihnen jetzt einfach mal meine offene Hand, weil ich mich so freue, wenn ich Gleichgesinnten begegne und sei es nur virtuell. Die Realität grätscht nämlich zunehmend auaiger zwischen mein Seinundseinlassenausleben. Man zweifelt ja selber manchmal an eigenen Moralanspruch, wenn ringsrum die soziale Kälte immer mehr zunimmt. Ihre Worte, die ganze Diskussion hier, sie erwärmen mich augwärts und dieses Wärme tastes sich sachtwarm direkt ins Herz hinein. Danke, Candy, danke Jane und natürlich auch den anderen. Ich würde jedem von euch die Haare beim Kübeln hochhalten! Gutenmorgengrüße, Ihre Käthe.

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      6. Haarkübelhalten ist mindestens so groß, wie freundschaftlich immer erstmal mit auf den Boden setzen und aushalten. Selten und … GOLD. Um den Dreh zum menschlichen, emotionalen Reichtum noch hinzubekommen.
        Das war eine klasse, bereichernde Diskussion, die freut mich ungemein. Mal schauen, was das nächste Mal alles Spannendes auf den Denkundfühler-Tisch kommt.
        Herzliche Grüße in die Runde!
        Candy

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      7. Danke an Dich fürs auf den Denkfühltisch wuchten, liebe Candy, dieses Schwergewichtreichtumspaket. Hebt man sich ja schnell mal ’nen Bruch, wenn man es alleine wagt. Herzliche Grüße retour, Deine Käthe, stets ein zwotes Haarband bereithaltend, die Kübelgefahr steigt nämlich zur Zeit.

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      8. Und noch ein Kommentar für die Karfunkelfee: Ich hinterlege für Sie mal meine restlichen Punkte, als da wären: Gesundheit, Liebe, Freiheit, Ehrlichkeit, Unabhängigkeit, Treue, Freundlichkeit.
        Ähem, Sie haben doch abgeschrieben, geben Sie’s zu! Sie haben bestümmpt die kluge Krähe verwünschelwispert, die hat ’ne Schleife vom Teuto zur Badestadt gedreht und bei mir gespickert! Fetzt!

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