12 von 12 auf der Reeperbahn bei Tag

Schon seit ewigen Zeiten wollte ich zumindest ein einziges Mal bei diesem 12 von 12 Bloggerdingens mitmachen. Denn Prokrastinieren, das ist was für mich und virtuell Zeit totschlagen, die man eigentlich gar nicht hat, ist doppelt gut. Und potztausend, heute morgen meldete mein Smartphone, es sei der 12.! Also direkt die Kamera gezückt, denn 12 Bilder des Tages müssen es am 12. werden, – jetzt bloß keine Chance leichtfertig verschwenden:

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Ja, ich fahre morgens um 9 Uhr Bus. Ich mag keine Busse, aber noch weniger mag ich die U Bahn auf meiner Strecke, in der sich Menschen dichtgedrängt stehend zu ihren Jobs karren lassen. Deshalb also Bus, der ist fast leer und es gibt dort liebenswerte Dinge zu sehen.

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Mein Nachbar, Herr Buddenbohm, postet an dieser Stelle immer ein Foto aus dem idyllischen Hammerbrook. Ich muss in die Gegenrichtung. Nicht minder idyllisch und tagsüber so ganz anders, als von Hans Albers besungen, aber ich mag sie tatsächlich leiden, die gute, alte Reeperbahn.

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St. Pauli meidet oder liebt man. Ich liebe es, auch wenn es so seine eigenen Regeln hat. Und die werden übrigens knallhart eingehalten. Trust me.

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An manchen Ecken ist St.Pauli wirklich ein dreckiges Stück, aber es hat eben auch Herz und Seele und deshalb gibt es im Dezember mitten auf der Reeperbahn natürlich auch Weihnachtsstimmung. Mit flauschigen Sitzmöbeln und ganz normalen Weihnachtsbäumen.

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Naja… fast normal. Baumbehang ist auf dem Spielbudenplatz auch mal wörtlich zu nehmen. Büschn trist, so untertags, aber ich werde von der Tristesse bis zum Abend nichts sehen, denn hier muss ich jetzt rein:

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Na was? Jeder hat seine Art von Büro, nicht wahr? Meines ist ein bischen spezieller, aber dafür darf ich mich, im Gegensatz zu anderen Menschen, hier acht Stunden lang nur mit den Dingen beschäftigen, bei denen sich andere in der selben Zeit nicht erwischen lassen sollten.

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Seltsam eigentlich, denn sooo verrucht und speziell sieht es hier ja gar nicht aus. Zumindest im Eingangsbereich nicht. Die 1400 qm Spielfläche für erlebnisorientierte Erwachsene, hat natürlich auch ihre besonderen Ecken. Die zeige ich hier aber nicht, ist ja ein sauberes Blog. Außerdem wird jetzt gearbeitet.

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Meine Kollegin arbeitet sich zB. gerade hochkonzentriert durch die Kataloge eines Lieferanten und bestellt die neue Herren-Frühjahrkollektion. Das arme Ding hat einen wirklich harten Job…

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Mittags gibt es einen schnellen Milchkaffee zweimal uns Eck. An einem der letzten Orte auf St.Pauli, wo arme Raucher wie ich, auch von November bis März einen flauschigen Draußen-Sitzplatz ergattern können. Den Teufel werde ich tun, diesen zu verraten. Man muss die heimlichen Kiez-Biotope schützen, solange die Masse sie noch nicht gefunden hat. So, 30 Minuten Luft geschnappt, schon wieder Schluss mit Mittagspause.

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Nach Feierabend ist es dunkel draußen und die Reeperbahn trägt jetzt ihr buntes Abendkleid. Die Kollegen der Spätschicht arbeiten weiter, ich darf nach Hause schlendern. Bei Stage Entertaintment vorbei, wo vor einer Woche das neue Musical „Kinky Boots“ eine rauschende Premiere feierte. Und ich freue mich wie ein Schneekönig, dass ich in ein paar Tagen selbst in den Genuss einer Vorführung kommen werde. Social Media Menschen müssen bei diesen Dingen auch mal Glück haben dürfen. Töchterchen nehme ich mit, der Teenager liebt alles, was auf hohen Absätzen daherkommt und von Individualität erzählt. Singt. Spielt. Von wem sie das nur hat?

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Von ihr werde ich zuhause erwartet. Mit Kuschel- und Erzählbedürfnis vom Tag. Ungewöhnlich und schön! Es muss sich anscheinend um einen der Glückstage handeln, für die man sich als Mutter eines „stacheligen“ Teenagers von Woche zu Woche hangelt. Die Plätzchen haben wir bereits vor zwei Tagen gebacken, aber als sinnbildliches Stimmungsfoto zum Abend, passen sie so gut. Also darf es hier mit rein, als Nr.12 von 12 im Dezember 2017.

Hiermit von der Bucket-Liste „abgearbeitet“. Keine Ahnung, ob sich irgendjemand für einen ganz normalen Tag aus dem Leben der Candy B. interessiert, aber ich schaue mir die 12 von 12 Serie jeden Monats bei anderen immer gerne an. Die Reeperbahn war da allerdings bisher nicht vertreten. Jetzt ist sie es. Hat es doch verdient, das alte, oft verkannte Mädchen.

Ahoi!

7 Antworten auf “12 von 12 auf der Reeperbahn bei Tag”

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