Ein zarter Moment an Nichts und Allem

Marina Abramovic ist eine recht bekannte Künstlerin, die sich hauptsächlich durch sehr illustre Installationen und Performances einen Namen machte. Zu Beginn ihrer Karriere arbeitete sie viel zusammen mit Ulay, der auch ihr Liebhaber war. Die beiden haben exzessiv Kunst geschaffen, auch zerstört, und als die gemeinsame Liebe dünner wurde, verabschiedeten sie sich in einer langen Umarmung auf der Chinesischen Mauer voneinander. Auf der sie im übrigen zuvor 3 Monate lang aufeinander zugelaufen waren…

2010 veranstaltete das Museum Of Modern Art in New York eine Retrospektive auf Marina Abramovic. Teil der Performance “The Artist is Present” war, dass die Künstlerin mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl in der Mitte des Raumes saß und sich Besucher auf den Platz gegenüber setzen konnten. Im Anschluß ging es „nur“ um das gegenseitige Sehen, ohne Gespräch, rein um die visuelle Wahrnehmung.

Einer der Besucher, die diesen Platz nutzten, war Ulay. Von dessen Anwesenheit Marina Abramovic zuvor nichts wusste.

Warum schreibe ich das alles, wo es doch überhaupt nicht hier her passen möchte?

Weil die stille Begegnung der beiden an diesem Tisch ein so beeindruckendes Zeugnis von zeitloser Wahrhaftigkeit füreinander ist, dass es ein Geschenk ist, es sehen zu dürfen. Bände werden erzählt in diesen Blicken. Jahre, Jahrzehnte, Abgründe, Tiefe.

Wer sich darauf einlassen möchte, nimmt sich 4:38 min Zeit.
Wer hektischer ist, beginnt bei 2:25 min.

Und wer mit solch leisen Momenten nichts anfangen kann, schweige still und eile weiter.

Candy Bukowski

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