Candy Bukowski

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Oh my god!

9 Kommentare

Ich habe das Haus, in dem ich wohne, für nicht hellhörig gehalten.
Ist ja auch logisch. Wenn man von nebenan, von oben und unten, außer Bohrmaschinengeräuschen nie etwas hört, dann ist ein Haus unter Garantie gut schallisoliert. Das liegt doch auf der Hand. Oder im Ohr. Oder eben gerade dort nicht. Sonst würde man ja etwas hören, nicht wahr?

Ein einziges Mal, im Sommer, beschallten junge Leute vom Haus gegenüber die Umgebung mit Zalando-Freu-Geräuschen. Das war erfrischend, durchs offene Fenster von einer sehr engagierten Dame, intensiv den Herrn gelobt zu bekommen. Wie sie da hingebungsvoll im Takt durch die laue Nacht jauchzte, das brachte mich zum Schmunzeln. Aber so warm ist es ja selten. Nie mehr wieder etwas gehört. In 7 langen Jahren nicht. Denn unser Haus ist ja nicht hellhörig. Das schluckt alles weg, was eher intim zuhause bleiben soll. Beruhigende Sache, finde ich.

Als ich vergangene Nacht, in den sehr frühen Morgenstunden, erstmalig meinen direkten Nachbarn glücklich, allzu glücklich wissen durfte, war auch das mir eine freudige Abwechslung.
Nur er war zu hören, keine Frauenstimme dazu, aber wie auch immer zustande gekommen, er surfte einige Minuten immer weiter auf der schönen Welle.

Und ich grinste mir eins.
Und freute mich mit ihm.
Und ich gebe zu, es brauchte seine Zeit, bis mir klar wurde, dass er dabei nicht im geringsten auffällig laut war. Sondern nur deutlich zu hören. So Wand an Wand. In der Stille. Im eindeutig hellhörigen Haus.

Das ich so viele Jahre für gut schallisoliert gehalten hatte und das mir nun, seine ganze Wahrheit grinsend herüberstöhnte. So daß ich tatsächlich laut ausatmete, seufzend die Augen schloss und hinter meiner angespannten Stirn eine virtuelle Dezibelliste abarbeitete. Nur die Highlights, die mir spoantan einfielen, die so gänzlich außerhalb von ignorierbar liegen. Die ganze Palette an Geräuschen, die… dem einen ebenso großartig, wie dem anderen mit Sicherheit zumindest bemerkenswert scheinen.

Und die hier allem Anschein nach, jahrelang auf geduldige Ohren stossen.
Manchmal benötigt es nur reine Unwissenheit, um sich ganz ungezwungen einen wirklich schlechten Ruf zu erarbeiten. Und ein ansonsten Sexloses Haus.
Oh my god!

Candy Bukowski

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Autor: Candy Bukowski

Autorin beim Verlag edel & electric. Lieferbare Titel: "Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben" (30 Erzählungen) Print 2014 / eBook 2015. "Wir waren keine Helden" (Roman) Print & ebook 2016

9 Kommentare zu “Oh my god!

  1. Na deine Nachbarn haben womöglich oft schon bei dir gegrinst und nachdem sie dich hörten, praktizieren sie nur noch low-noise-sex. ;-)

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  2. Was heisst hier „schlechten Ruf erarbeiten“, hm? Vielleicht bist du nur die am meisten beneidete Frau in dem ganzen Haus … anerkannt als glücklicher Mensch, zumindest in der Hinsicht?! ;-)

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  3. Herrlich … die beneiden dich doch alle … oder so. ;-)

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  4. Das spricht doch für eine tolerante Nachbarschaft! Ich würde mir da an deiner Stelle gar nichts anmerken lassen ;).

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  5. Oh my god! Das ist doch nicht schlimm! Jeder hörts von Jedem. Jeder freut sich, wenn er hört und zu hören ist. Was ist schon dabei, das sind doch alles ganz natürliche Dinge, hören und gehört werden.
    Soweit die Theorie. Und die Praxis? Da möchte man schon für sich sein. Verständlich.
    Was kann man tun? Nichts? Das wäre doof. Denn Nichts tun, macht keinen Spaß. Dicke Perser an alle Wände? Ganz leise sein? Ich bin für ‚Ignorieren‘. Frau denkt da vielleicht anders.

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  6. Ich bin da bei Ben :-) ich glaube Deine Nachbarn haben sich einfach auch einen gegrinst und sich für Dich gefreut :-)

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  7. Vielleicht sind sie auch mehr von der stillen Sorte… oder sie gehen aus in dunkle, schmuddelige Ecken oder an Schmirgelpapier-Strände. Wäre ihnen zu wünschen! :D

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  8. Herrlich! Das pralle Leben, bitte seid alle schön laut, feiert, singt, lacht, und genießt Euch gegenseitig.
    Ich finde es sehr unheimlich, wenn man so gar nichts hört.
    Gruß, Eva

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