Mehr braucht es nicht

Ich lese nicht. Und ich schreibe nicht.
Ich spreche recht wenig.
Und bin mir nicht einmal sicher, ob ich zur Zeit besonders viel denke.
Eigentlich bin ich nur. Mehr braucht es nicht. Nur zu sein ist manchmal viel.

Ich habe die wichtigsten Telefonate geführt. Mit den Menschen die mich dankenswerter Weise lieben und sich sorgen.
Habe Ruhe, Klarheit und Zuversicht verströmt, 2 Maschinen Wäsche aus der vergangenen Woche gewaschen und mit freudiger, kindlicher Unterstützung einen Baum geschmückt. Meine Tochter auf dem Stuhl stehend gehalten, damit sie wie jedes Jahr die rotglänzende Spitze ganz oben aufsetzen kann. Ein paar kleine Geschenke verpackt, ein paar zur Post getragen und brav meinen frisch von der Schippe gesprungenen Körper an den Hausarzt zur Weiterbehandlung empfehlen lassen. Ich werde am Weihnachtsabend ausreichend sprechen und lächeln, um nicht aufzufallen und niemandes Stimmung zu gefährden.

Aber anschließend werde ich noch ein wenig, einfach nur sein.
Mehr braucht es nicht. Nur zu sein ist manchmal viel.
Viel besser, als die denkbaren Alternativen.
Einen kleinen See mit meinen Tränen füllen, mich in einem fremden, großen Haus vor meiner eignen Angst verstecken, oder in einem riesengroßen, sicheren Schoß, wie eine verlorene Katze einfach nur für alle Zeit, handstreichelbettelnd mich zusammenrollen.

Candy Bukowski

17 Antworten auf “Mehr braucht es nicht”

    1. Verzeihung, ich könnte irgendwo andocken, aber Du formulierst es genau so, wie ich, und darum hänge ich meine persönliche Entlarvung hier an: „Manchmal“ nur sein.
      Da haben wir es schon. Wir sind so sehr in unseren Rädern am Laufen, dass wir es schon ausgeschlossen haben, ganz daraus heraus zu hüpfen: Manchmal mit Ruhe. So sind Spa-Resorts und Wellness-Industrien entstanden. Mal ein wenig Relaxen hip sein lassen, und schon wird daraus wieder was Knüllerisches, kurz bevor es bemühend wird.

      Nein, das Ruhigere, die Ruhe – sie sollte zum zentralen Punkt unseres Lebens werden. Manchmal etwas Eile, manchmal etwas Hektik – das könnte man dann prestieren, hinnehmen, sogar positiv gestalten.

      Aber eben…

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  1. Ich kenne nicht die Gründe warum Dein Körper sich entschlossen hatte einfach runter zu fahren und es klingt danach, dass Du es auch nicht richtig weisst. Ich hatte das auch einmal. Zack, lag ich auf dem Boden. Habe erst wieder den besorgten Blick meiner Frau mitbekommen, die meinte, dass sie einen Notarzt gerufen hatte (was ich als völlig übertrieben ansah, aber ich habe mich ja auch nicht fallen sehen). Im Krankenhaus wurden dann sehr viele Untersuchungen gemacht. Gefunden haben sie nichts. Einerseits schön, andererseits bringt es einen auch nicht weiter. Nach einer Woche durfte ich wieder raus. Das war ein sehr schönes Erlebnis. Endlich wieder zuhause. Ich hatte mir damals einen Zettel geschrieben was ich ändern wollte. Vor kurzem lief er mir über den Weg. Ich hatte die wenigsten Dinge wirklich geändert und bin zu schnell wieder in alte Verhaltensweisen zurück. Nimm Dir die Zeit und geh der Sache auf den Grund. Wäre für Dich und alle anderen ein großer Jammer, wenn Du gehen würdest.

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    1. Lieber Guinness, das freut mich sehr, dass es bei Dir blinder Alarm war. Grundsätzlich hat ein solches Erlebnis ja auch seine Qualitäten. Auch meine momentane Begrenzung in „einfach sein“ halte ich nicht für das Schlechteste. Das darf so sein. Nach Gründen suchen muss ich allerdings nicht mehr. Ich habe mir leider eine Lungenembolie eingefangen, die ja nicht so einfach wieder verschwindet, und durchaus dominant ihre eigenen Regeln ins Spiel wirft. Was ich an anderer Stelle sehr mag, ist mir hier zumindest gewöhnungsbedürftig.
      Die Flatter mache ich aber so schnell sicher nicht. Versprochen.

      Danke für alle guten Wünsche, es wird schon wieder.
      LG und schöne Tage, Candy

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      1. Wie schön bzw nicht schön. Auf die Lunge hatten sie bei mir auch getippt. Die ist in den 7 Tagen so oft untersucht worden wie im ganzen Leben nicht. Gefunden haben sie nichts.

        Frohe und geruhsame Weihnachten

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  2. Ich muss das jetzt mal loswerden, Zeit ist ja nicht mehr viel und wer weiß, wieviele Schippen da noch auf sie warten, nicht. Verpacken Sie bitte im Neujahr ebensovieles Süß- und Naschwerk in ihrer Ledertasche (trägt das Dame überhaupt?). Denn ohne Sie kann ich kaum lesen, Sie vom Poetengott geschenktes Hascherl mit dem notorischen Hang zum „Auf den Punkt kommen“ (womit ich ausdrücklich den G-Punkt im Herrengedeck mitmeine).

    Das mit dem Hascherl mögen Sie mir verzeihen, Sie sind es nicht, aber es hilft meiner erotischen Blindheit gewaltig auf die Sprünge.

    Frohes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr.

    Achim

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    1. Wow, lieber Achim, an diesem speziellen Wunsch kann ich ja die gesamten Feiertage knabbern :) Danke. Sehr. Für das zwischen den Zeilen. Und: ja, Hascherl bin ich _auch_.
      Frohes Fest und glückliche Zeiten.
      Candy

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    2. Warum kann man eigentlich nicht auch Kommentare in den Himmel liken? Der Rambelnde Bruder hat für mich gesprochen, wobei ich hochnäsig fein betonen möchte, dass mir alle Ihre G-Punkte äusserst willkommen sind, auch die rein gesellschaftlich-sozial-personale Wasserstände notierenden Gedanken aus dem Leben.
      Nun ist mir auch en wenig deutlicher geworden, woher so manche Ahnung von Klarsichtigkeit bei Ihnen kommen mag, mal abgesehen vom schlicht riesigen Talent und den guten Praxisübungen.

      Aber, bitteschön, worüber liesse sich denn aus ihrer Warte treffend schreiben, wenn sie dabei vor die Hunde gehen? Darum nur so viel wie die Lust gebiert – der Rest wird in ihnen brüten, lange bevor sie erkennen können, welch tolle Eier es Ihnen ins Nest gelegt hat: Das neben den Schuhen Stehen und dabei auf sich Blicken hat schon was Gründliches an sich.

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  3. Bitte gut auf sich aufpassen, Candy, mit einer Lungenembolie ist nicht zu spaßen und vor allem die Antennen in der Zukunft gut ausfahren und alles ausheilen lassen, damit das Herz nicht eines Tages schlapp macht.
    „Nur zu sein, ist manchmal viel“…daran immer denken, man versäumt nichts, wenn man sich ausklinkt. Heilzeit gönnen und alles außen vor lassen.
    Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen weiterhin gute Besserung, ein erholsames Weihnachtsfest und Sie müssen nicht tapfer sein, um den Anderen die Stimmung nicht zu verderben, Stärke zu zeigen, obwohl man eigentlich schwach ist, warum haben wir nur immer diesen Anspruch an uns ? (ist z.B. mein größter Fehler).Möge Ihnen das Jahr 2014 und alle Folgejahre so einen Schreck ersparen…..
    lieber Gruß

    Karin

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