Zwischen Pest und Cholera

Zu begreifen, dass es nie nur darum ging, uns zu lieben. Dass es nie darum ging. Dass es nie darum geht. Nicht heute, nicht gestern, nicht in irgendeiner Zeit. Dass es in Wahrheit nie ums Lieben geht, sondern ob wir miteinander zu sein vermögen, und uns dabei so oft die Richtigen zur falschen Zeit, oder …

Nur ein Blick

Ihr Blick ist unbestritten Kapital und Achillesferse. Offen hat er oft gehalten, lächelnd gewärmt, strahlend oder zurückgenommen verführt. Je nachdem. Man braucht mehr als einen Blick, für mehr als einen Menschen. So, wie man eigentlich mehr als ein Herz für sie bräuchte, um nicht jedes Mal wieder in einer Lache dreckigen Blutes zu liegen, wenn …

Wohin mit all dem, was nicht mir gehört

Was tut man nur, mit all dem persönlichen Gepäck, das man nach und nach dem anderen in die Bude schleppte? Was einfach zurückbleibt und den Staub ansetzt, aus dem sich schon lange gemacht wurde? Wohin mit dem großen Schrankkoffer aus fremden Erfahrungen und ungeweinten Tränen, den vier starke Möbelpacker nicht mehr hinaus gekantet bekämen, ohne …

Weil ich es kann. Und Du.

Ich muss Dir etwas beichten, sagst Du. Und mir schiebt sich das gezackte Messer durchs Herz. Weil ab diesem Satz eigentlich kein weiterer mehr notwendig, kein Wort ein unbekanntes wäre. Keines, das ich nicht bereits mitsprechen könnte,' aus der alten Geschichte von einsamen Nächten und trauriger Seele und all den Dingen, die man nicht sucht, …

Mehr braucht es nicht

Ich lese nicht. Und ich schreibe nicht. Ich spreche recht wenig. Und bin mir nicht einmal sicher, ob ich zur Zeit besonders viel denke. Eigentlich bin ich nur. Mehr braucht es nicht. Nur zu sein ist manchmal viel. Ich habe die wichtigsten Telefonate geführt. Mit den Menschen die mich dankenswerter Weise lieben und sich sorgen. …

Durch Mondsonaten dunkle Schleierwolken ziehn

Vergessen. Dass der Himmel nicht nur Sterne birgt, auch Unendlichkeit an Nichts. Dass Wasser trägt, und dennoch alles was nicht schwimmt in seine Tiefe zieht dass Flut sich Ebbe machtvoll in den nassen Rachen schlingt, wir fröhlich Wärme tanken, unter einem Feuerball und hohe Bäume bei Gewitter furchtsam sind. Dass der schöne, bunte Herbst den …

Vielleicht im Frühjahr, wenn es gnädig wäre

Sie stapfte durch die kalte Winternacht und hinterließ kaum Abdrücke im frischen Schnee, der durch das anhaltende Windgestöber, umgehend wieder verweht wurde. Die Schultern hatte sie fröstelnd hochgezogen, eine wandelnde Verspannung auf dem Weg durchs Deckendunkel über weißer Pracht. Man sagt, wenn Du frierst, dann lass die Schultern locker. Dann komm in Deinen Schritt und …

Eines Tages wirst Du vor mir stehen

Eines Tages wirst Du vor mir stehen, stolz und liebevoll, stur und unverzeihlich, wie Du es heute schon bist, mit Deinen wenigen, vielen Jahren. Vielleicht sagst Du auch dann noch "Ach Mumelchen" und streichst mir über die Wange, um mir eine Minute später die Rechnung aufzumachen, die wir alle eröffnet haben, um uns freizuatmen und …

Der letzte Kuß bleibt immer ungeküsst

Meine Nacht liegt wach und raunt mir altklug besserwissend Dinge. Wie: der erste Kuss mit einem neuem Herznah-Menschen, sollte Dir Mahnmal, Anker, Fixpunkt, nicht Romantik sein. Sind wir uns eben noch Fremde, so nehmen wir ab erstem Zungenschlag Körper und Geist in Besitz, legen ganz selbstverständlich ab dieser Sekunde unsere Hand auf den unbekannten Oberschenkel, …