Fragmente des Fragments VI

Notiz vom Gegenwarts- ans Zukunfts-Ich:

Du hast eine Embolie alleine überstanden, und einen Herzkatheter.
Dich dauerhaft von Lügen versöhnen und von Wahrheiten ohrfeigen lassen,
aber Dich an Deinem persönlichen Tiefpunkt nicht durch die Ablenkung im Außen gefickt,
sondern bist Innen, alleine durch die Nacht gegangen.
Durch Fort Knox.
Rein. Durch. Und raus.
Ohne eine Menschenseele.
Du hast Deinen Job verloren, da der Mensch nicht straucheln darf,
und stehst immer noch, weil Dein Wert wo anders liegt, als in der Kosten- / Nutzenrechnung.

Du hast alles richtig gemacht.
Was sollte Dir noch passieren, Babe, was Du nicht zu nehmen wüsstest?
Wovor solltest Du Angst haben, wenn du Punkt Null aufrecht durchschritten hast?
Vor nichts.
Rein gar nichts.

30 Antworten auf “Fragmente des Fragments VI”

  1. Ich habe vor etwas mehr als einer Woche eine Andacht vor Jugendlichen gehalten. Es ging ums „Aufstehen“ nach einer Niederlage. Hätt ich da Deinen Text schon gehabt, ich hätte ihn gerne verwendet.

    Aber ich habe auch etwas für dich. Denn der letzte (geklaute) Satz an dem Abend lautete:

    „Hinfallen. Aufstehen. Krönchen geraderücken. Weitergehen!“

    So ist das.

    Respekt, zum wiederholten Male. Respekt.

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    1. Die Andacht hätte ich gerne gehört. Tolle Sache, man kann sicher nicht früh genug damit anfangen, den Wert von Niederlagen zu erarbeiten. Im besten Falle, diese Sichtweise vermittelt zu bekommen. Schönes Engagement, das Du machst. Davor und vor einigem mehr, habe ich bei Dir Respekt. Ein herzlicher Gruß!

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  2. Schlimm genug, daß es immer die Kosten-/Nutzenrechnung ist, die uns zum Straucheln bringt, doch so wie Du da aufrecht durchmaschiert bist: Großartig! Und gut, daß Du so viele mitgenommen hast. Ich denke, deine Worte übers Straucheln und Weitergehen, Deine Fragmente, Texte und Flaschenposts, die werden einigen hilfreich sein in ähnlicher Situation. Mir hätten sie geholfen. Alles Liebe, Du Gegenwarts-Candy. Der Zukunfts-Candy sage ich irgendwann mal selber meine Wohlworte. Deine Käthe, mit Herznarbengruß.

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    1. Liebe Käthe, dankeschön. Ich bin noch lange nicht durch, es gibt noch viel mitzunehmen und zu erarbeiten. Aber wenn es irgendwem etwas bringt, oder ein wenig hilft, das Stigma Psychatrie und Umgang mit (vermeintlichen) Lebenssackgassen abzubauen, dann wäre das schon was. Von Gegenwart zu Gegenwart, mit allem was dazugehört, herzlichst, Candy

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      1. Was übrig bleibt, ist das Wissen um die ureigene Kraft und Stärke. Wenn man am vermeintlichen Abgrund steht und nicht sieht, daß da ein Pfad sich schlängelt. Ein steinhageliger, bedornenbuschter und sehr riskanter, aber eben ein Weg. Dann nimmt man ihn wahr, kopfschüttelnd, furchtsam und es gilt, den ersten Schritt zu machen. Immer, wirklich immer, beginnt alles mit dem ersten Schritt. Den hast Du gemacht, liebe Candy und ein ganzes paar mehr. Und hast die Gabe durch Deine Worte andere teilhaben zu lassen und sie mitzunehmen. Das ist was ganz besonderes. Schön, daß es Dich gibt. Deine Käthe.

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  3. Schon beeindruckend, wenn man dass so schwarz auf weiß lesen kann. Beim ein oder anderen hätte man vielleicht im Vorfeld gedacht, dass so etwas einen umhauen könnte. In der Kombination wäre man sich sicher gewesen, dass es zuviel wäre und doch ging es weiter. Sei stolz auf Dich und bleibe ein Menschenfreund.

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    1. hm. Zwischen richtig und Stolz liegen Welten, aber es ist wohl ganz gut, sich bewusst zu machen, wenn das Handeln richtig ist, auch wenn oft beides erstmal nicht leicht ist. Schöner Satz eines sehr guten Rundengespräches heute: „Man kann einfach nicht zwei Leben leben“, im Sinne von „Wahrhaftigkeit in Eigenentscheidungen“.
      Ja, es ging und geht weiter, das ist viel. Soweit möglich, auch als „Menschenfreund“. Etwas klarer vielleicht ;)

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  4. Mir liefen die Tränen, eigene Erinnerungen tauchten auf. Dann habe ich hin und her überlegt, was ich als Kommentar hinterlassen könnte. Ausser immer wieder den Dank und die Liebe zu den Fragmenten … Mir fällt nichts ein, außer meine Zustimmung zu bekunden. Wer den Punkt Null aufrecht durchschritten hat, braucht wirklich keine Angst mehr zu haben. Herzlichst. Melanie

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  5. Liebe Candy,

    Vielen Dank für deine wunderbaren ehrlichen und wahren Worte… Es ist, wie es ist ….

    Aufrecht stehen, aufrecht gehen, immer gerade aus. So kann man auch nach vielen Jahren den Menschen und seinem Leben geradewegs in die Augen blicken. Sich nicht verbiegen lassen ist ein Kunststück, welches nicht von jedem beherrscht wird. Die Verantwortung trägt man immer nur für sich selbst und seine Lieben um einen herum

    Liebe Grüße und einen schönen Dienstag wünsche ich dir
    Heike

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  6. nachtrag:
    wenn man durch welche entscheidungen auch immer in der fatalen situation ist am boden zu sein. direkt und auch poesielos werden dinge sichtbar an die man zuweilen nicht mal in den kühnsten träumen dachte.so ist aufstehen und kräfte mut zu schöpfen immer ein zurückgeworfen auf sich selbst.bitter aber dennoch.
    und so bleibt einem manchmal das schönformulierte vom zwergenstammtisch im halse stecken.
    aufrichten in kleinen schritten.sich selbst treu.

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    1. Schöner Kommentar, danke! Das ist ein recht posieloser Zustand, ja. „Das Schönformulierte vom Zwergenstammtisch im Halse stecken“ finde ich eine großartige Beschreibung. Und Treue ist gerade mein Thema. Großer Schmerz, aber auch großes Bekenntnis zur Selbsttreue. Auf den Punkt, somit, lieber L.

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