Es gibt Familien, die haben es nicht so mit Familie. Spätestens ab dem 2.Verwandschaftsgrad wird es fast immer schwierig. Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, die ganze Mischpoke, die oftmals so gar nicht zueinander passt und in der sich fast jeder heimlich die Frage stellt, auf welch seltsamen Genverbindungen man es in die selbe Ahnenreihe schaffen konnte. …
Tagesbruchstücke – Ein Hoch auf uns
Sie sind zu Dritt und liegen zu meinen Füssen. Auf Pappe, die notdürftigen Decken bis zu den Nasen hochgezogen. Eine Doppelbettpappe für Mann und Frau unschätzbaren, verbrauchten Alters. Drei Schritte entfernt schläft ein Junge, vielleicht 16, vielleicht der Sohn. Seine Beine sind seltsam verdreht. Zwischen den Lagern steht ein einfacher Rollstuhl, der Sohn ist körperbehindert, …
Fünf
Es sind so endlos lange Flure, durch die sie immer gehen muss. Sehr lang und sehr hoch, für eine kurze 5jährige. Und unheimlich. Ganz ohne Tageslicht, nur mit schwachen Neonröhren beleuchtet, die manchmal flackern, oder vereinzelt ganz ausfallen. Dann liegt die nächste Ecke im Dunkeln und sie drückt sich mit eingezogenem Kopf näher an der …
Nur ein Blick
Ihr Blick ist unbestritten Kapital und Achillesferse. Offen hat er oft gehalten, lächelnd gewärmt, strahlend oder zurückgenommen verführt. Je nachdem. Man braucht mehr als einen Blick, für mehr als einen Menschen. So, wie man eigentlich mehr als ein Herz für sie bräuchte, um nicht jedes Mal wieder in einer Lache dreckigen Blutes zu liegen, wenn …
Die Servicestelle für verpasste Gelegenheiten – Teil 2
Fortsetzung zu Teil 1 Hm. verpasste Gelegenheit, also... Sie ist aufgestanden, von dem Stuhl, den ihr der Typ vorhin unter den Hintern geschoben hatte, und spaziert ein wenig durch den Raum. An den riesigen Regalen vorbei, mit den hölzernen Schiebeleitern. Fährt mit den Fingern über ein paar Buchrücken. Manche tragen einen zerfledderten Schutzumschlag, andere sind …
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Die Servicestelle für verpasste Gelegenheiten – Teil 1
Es war einer dieser Anrufe gewesen, die man üblicherweise schnell beendet. Ein unerwünschter, wie eine Meinungsumfrage, ein dummes Versicherungspaket, ein vermeintliches Gratisabonnement einer Tageszeitung, die man niemals wieder los wird. Auf jeden Fall stammte er aus einem Callcenter und deshalb wollte sie eigentlich sofort vehement abblocken, aber irgendetwas hatte sie dann doch in der Leitung …
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Unterm Riesenrad, der Leierkastenmann…
Der beste Ex von allen, hatte wie geplant das Kind abgeholt. Um ein guter Vater zu sein, und ein vorausschauender Freund. Weil man ja manchmal, auch gerne alleine erwachsen ist. An solchen und an manchen anderen Tagen. Vielleicht würden sie einen Muttertagskuchen backen und etwas Selbstgemachtes in buntes Papier einschlagen. Das Kind würde es am …
So lange. Bis zum Irgendwann.
Irgendwann war irgendetwas schiefgegangen. Vor Jahren im großen Ganzen. Und im Anschluß seitdem immer wieder im Kleinen, das einfach kein großes Ganzes mehr werden wollte . Irgendetwas war niemals mehr richtig. In den Anfängen. In Alltagsverschnitt, in Alleinefragmenten und Herzbruchstücken. Es gab immer einen Punkt, an dem wie im Zeitraffer alles in sich zusammenfiel, als …
Fließen. Einfach wegfließen.
"Im Übrigen: du sprichst ja nicht!" "Wie, ich spreche nicht?" "Na, wie es Dir gerade geht. Was ansteht!" "Wer mich danach fragt, dem antworte ich..." "Tja, auf mich hast Du aber nicht ein Eindruck gemacht, als ob Du darüber sprechen möchtest!" "Du hast mich doch nicht einmal gefragt...". Ah. Willkommen in der Parallelwelt. Man hat …
Mariechen saß weinend im Garten…
Wäre sie ein Musikstück, dann wäre sie der Radetzkymarsch. Als Speise, alle meine Lieblingsgerichte. Und natürlich die obligatorische Weihnachtsgans, die ihr in ihren Augen stets im Vorjahr besser gelang. Wäre sie eine Zeit, dann die "gute alte", aber niemals einfach verklärt, sondern hart und mühselig. Wäre sie ein Gedicht, dann Schillers "Bürgschaft". Lang und eher …
