„Der Schrank in mir“ – Ambitionierter Versuch einer literarischen Short Story

Für den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg hat es auch 2018 wieder mal nicht gereicht. Punkt. Damit ist eigentlich alles gesagt. Ich könnte anhängen, dass mich das ein klitzekleines bißchen "maulig" mit mir selbst macht, weil ich tatsächlich dachte, diesmal könnte es reichen, diesmal haste Dich auf ein akzeptables Plateau geschrieben, Candy. Aber: ne. Soll nicht …

Warum haben wir uns nicht…?

Montag morgen, nach einem heißem Wochenende, ist der Kiez scheußlich. Man könnte auch ehrlich sagen. Manchmal ist Ehrlichkeit scheußlich, manchmal wären Lügen schöner, auch wenn die ganze Welt herumposaunt, dass nichts ungeliebter wäre, als die Lüge. Letztendlich lügen wir uns ständig die Wahrheit schön, uns und einander, da macht kaum einer eine Ausnahme. Montag morgen, …

Nie leer gehen, Heidi!

Sie gehörten zu den Paaren, die möglicherweise ein Geheimnis miteinander teilen, das Dinge erklären könnte. Aber das man als Außenstehender nicht erkennen kann. Das sich einem einfach nicht erschließt, so lange man auch hinschaut, und das - soweit es überhaupt existiert - überschattet wird. Von einer dunklen Wucht an ultimativem Nicht-Paar sein. Zumindest nicht mehr. …

Die Frau mit der Stoffpuppe

Meist sitzt sie in versteckten Hausaufgängen. Auf Treppenstiegen, die zu den inzwischen unbezahlbaren Altbauwohnungen des Viertels hinaufführen. Windgeschützt, aber auch der Sonne abgewandt, immer anteilig im Dunkeln. Wenn man kein eigenes Zuhause besitzt, wird vermutlich jeder Platz ein guter Platz, der über 3 geschlossene Wände verfügt und zumindest den Eindruck vermittelt,  man könne eine Tür …

Ihr bestes Jahr

"Das wird Dein Jahr! Das beste überhaupt.", hatte er damals kurz nach Mitternacht zu ihr gesagt. Als Gast an ihrem Tisch. Zu einem Zeitpunkt, als die Raketen langsam verrauchten, das Blei geschmolzen und bereits zu neuen Formen gefunden hatte. Die keinen Sinn ergaben,  in denen sie aber dennoch trunken nach Vorzeichen suchten, mit ein wenig …

Die Spitzmaus

Es gibt Familien, die haben es nicht so mit Familie. Spätestens ab dem 2.Verwandschaftsgrad wird es fast immer schwierig. Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, die ganze Mischpoke, die oftmals so gar nicht zueinander passt und in der sich fast jeder heimlich die Frage stellt, auf welch seltsamen Genverbindungen man es in die selbe Ahnenreihe schaffen konnte. …

Tagesbruchstücke – Ein Hoch auf uns

Sie sind zu Dritt und liegen zu meinen Füssen. Auf Pappe, die notdürftigen Decken bis zu den Nasen hochgezogen. Eine Doppelbettpappe für Mann und Frau unschätzbaren, verbrauchten Alters. Drei Schritte entfernt schläft ein Junge, vielleicht 16, vielleicht der Sohn. Seine Beine sind seltsam verdreht. Zwischen den Lagern steht ein einfacher Rollstuhl, der Sohn ist körperbehindert, …

Fünf

Es sind so endlos lange Flure, durch die sie immer gehen muss. Sehr lang und sehr hoch, für eine kurze 5jährige. Und unheimlich. Ganz ohne Tageslicht, nur mit schwachen Neonröhren beleuchtet, die manchmal flackern, oder vereinzelt ganz ausfallen. Dann liegt die nächste Ecke im Dunkeln und sie drückt sich mit eingezogenem Kopf näher an der …

Die Servicestelle für verpasste Gelegenheiten – Teil 2

Fortsetzung zu Teil 1 Hm. verpasste Gelegenheit, also... Sie ist aufgestanden, von dem Stuhl, den ihr der Typ vorhin unter den Hintern geschoben hatte, und spaziert ein wenig durch den Raum. An den riesigen Regalen vorbei, mit den hölzernen Schiebeleitern. Fährt mit den Fingern über ein paar Buchrücken. Manche tragen einen zerfledderten Schutzumschlag, andere sind …

Die Servicestelle für verpasste Gelegenheiten – Teil 1

Es war einer dieser Anrufe gewesen, die man üblicherweise schnell beendet. Ein unerwünschter, wie eine Meinungsumfrage, ein dummes Versicherungspaket, ein vermeintliches Gratisabonnement einer Tageszeitung, die man niemals wieder los wird. Auf jeden Fall stammte er aus einem Callcenter und deshalb wollte sie eigentlich sofort vehement abblocken, aber irgendetwas hatte sie dann doch in der Leitung …