Candy Bukowski

Autorenblog

Wäre die Freiheit… (Flaschenpost I)

29 Kommentare

Wäre die Freiheit,
ein großer Bogen, weißes, reines, grenzenloses Stück Papier.
Du müsstest es beschreiben, bemalen,
ihm Geschichten geben und Gestalt,
vielleicht ein Muster, ein breiter Pinselstrich aus deinen Farben.

Du müsstest es falten.
Zu einem Boot und es zu Wasser lassen.
Oder ihm Flügel knicken, um zu fliegen.

Es in einen Umschlag stecken, adressieren und versenden.
Mit einem Gruß, Gedicht, Gedanken, einem Du.
Ihm etwas auf den Weg mitgeben, zu berichten.
Um einzuladen, zu verbinden, zu verzeihen.

Wäre die Freiheit ein weißes Blatt Papier,
du müsstest sie beleben. Belieben. Bewundern, Beseelen.

Verbindlich mit ihr sein, damit sie sich verbindet.
Und wagen, dich in ihr mit etwas festzulegen.
Was besteht.
Und bleibt.
Vertrauensvoll und ohne Jagen.

Das müsstest Du und würdest es verstehen.

Die Freiheit, ohne Zeichen, ohne Ziel,
im Zaudern blank und frei gelassen,
läge nur vor, – doch nie in dir.

Wäre nur ein großer Bogen, weißes, reines, ungenutztes Stück Papier.

Candy Bukowski

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Autor: Candy Bukowski

Autorin beim Verlag edel & electric. Lieferbare Titel: "Der beste Suizid ist immer noch sich tot zu leben" (30 Erzählungen) Print 2014 / eBook 2015. "Wir waren keine Helden" (Roman) Print & ebook 2016

29 Kommentare zu “Wäre die Freiheit… (Flaschenpost I)

  1. Liebe Candy, viele schreiben,weil sie schreiben wollen.
    Sie schreiben,weil Sie etwas zu sagen haben.
    Ihre klaren Worte brauchen keine Schnörkel und geben dem weißen Blatt Papier die Freiheit einzuladen,zu verbinden und zu verzeihen.Danke

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  2. wahnsinns schön auf den punkt gebracht!

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  3. und mit jedem wort und jedem falz würde die freiheit, dieses blatt papier, ein bisschen verbindlicher, ein bisschen weniger leer und frei, dafür ein bisschen lebendiger …?

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  4. Doch der erste Blick, die Leere und zu füllen Zeil’ um Zeile, könnt’ schon zurückschrecken lassen, gäbe es nicht Strichmännchen, die gehen immer, auf und ab, auf und ab und machen Kniebeuge und hüpfen, tollen herum, machen lauter Schabernack, wer’s nicht besser weiß, glaubt, das wäre sinnlos, nein, nur unsinnig; sie machen schon beizeiten Platz und räumen das Feld, solange aber Turnübungen und Sprünge, gut für’s Handgelenk.

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  5. Da sitz ich also vor dem breitleeren, weißen Papier … und denke an Frau Bukowskis Flaschenpost. Das ist nicht fair! :)

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  6. Ein wunderbarer, wunderwahrer Text…

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